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von weniger Fähigkeit, fuhr in dem eingeschlagenen Wege unter dem wachsenden Widerstande der gegnerischen Gewalten bis zu dem Tode des Königs fort. Ludwig XIV. war erst 5 Jahre alt, als sein Vater starb. Seine Mutter wurde Regentin und übergab die Erziehung des minderjährigen Königs an Mazarin. Im 14ten Jahre erklärte Ludwig seine Volljährigkeit (1651). Mazarin blieb zwar als erster Minister bis zu seinem Tode (1661) an der Spitze der Verwaltung; dann aber herrschte Ludwig 54 Jahre lang ohne ersten Minister, nach seinem Wahlspruch: „l’État c’est moi!“ Die Rolle, die er wählte und die er sein Leben hindurch spielte, war die des menschenverachtenden Despoten. Als Mazarin sich einst über den Widerstand des Pariser Parlaments gegen seine Verfügungen beklagte: da brauste der noch bartlose König mit Stiefeln, Sporen und Reitpeitsche in den Sitzungssaal, befahl, und – die Männer ließen sich’s bieten und gehorchten. Von diesem Augenblicke an trat das königliche „car tel est Notre plaisir“ an die Stelle der Gesetze, die Willkür schaltete über das zum rechtlosen Sklaven erniedrigte Volk, sie verfügte über Leben, Freiheit und Eigenthum der Bürger und saugte harpyenmäßig die Lebensquellen des Staates auf.

Ich will es versuchen, auf den nächstfolgenden Seiten ein wahres Bild zu entwerfen von jenen Regierungszuständen in Frankreich, als deren Erfinder, Ordner und Meister Ludwig XIV. seinen Platz in der Weltgeschichte einnimmt. –

„L’état c’est moi!“ Als der Ludwig das Wort sprach, folgte er dem Instinkte des Despotismus. Kühn und mit eiserner Konsequenz schritt er auf den Wegen fort, die zur absoluten Gewalt führen. Seine ganze Regierungskunst verfolgte nur das eine Ziel: durch Zerstörung aller andern Faktoren der Macht im Staate für sich allein alle Kraft zu gewinnen. Paris machte er zur Thurmkrone auf seinem Haupte. Indem er die gesammte Intelligenz des Staats in der Königin der Städte versammelte, nahm er den Hauptstädten der Provinzen ihren Einfluß; und indem er den Adel durch Orden und Hofämter als Hörige in sein Gefolge lockte, wurde mit ihrem Stolze und ihrem Unabhängigkeitssinn zugleich ihr Einfluß auf das Volk und ihre Vermögen gebrochen. Er erweiterte die Trennung der anglikanischen Kirche von Rom, um ihre Abhängigkeit von der Krone zu befestigen, und indem er über ihre Pfründen verfügte, so zwang er die Prälaten, die Glorie des Hofs durch ihre Unterwürfigkeit zu vermehren. Die Künste erzog sein Mäcenat zu galanten Dienerinnen des Königthums. Das Genie, courfähig gemacht, schmeichelte dem königlichen Herrn und die ernste Wissenschaft, durch Jahrgelder und in den Sesseln der Akademie an goldenen Gängelbändern festgehalten, wurde abgerichtet, sich zu bücken und ihre Kunststücke zum Amusement des Hofs zu produziren; die Geschichte sogar wurde dem Dienste des Herrschers gefügig und die befoldeten königlichen Historiographen lernten Hofgeschichte statt Weltgeschichte schreiben. Zur Stütze dieses Systems unterhielt er ein stehendes Heer von 300,000 Mann, welches, schlagfertig und im Kriegshandwerk