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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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eingeübt, beständig des königlichen Winks lauschte, um die Befehle der unbedingten Gewalt maschinenmäßig zu vollziehen und den leidenden Gehorsam unter den Willen des Herrschers zur Richtschnur für die Thätigkeit Aller im Reiche zu machen. Damit aber die Kette um die treibenden und spannenden Kräfte im Volke noch dichter und fester geschlossen sey, so wurde vom königlichen Meister eine Beamtenhierarchie organisirt, welche, vom Schulzen bis zum Minister von Grad zu Grad aufsteigend und streng gegliedert, in koncentrischen Ringen bis zum Throne reichte, und jeder Ring fand in dem allmächtigen Willen des Alleinherrschers eben so seinen Ursprung, wie die Wellenringe des Wassers im geworfenen Stein. Nach unten hin befehlend, nach oben hin gehorchend, war die Seele dieses Beamtenheers die Disciplin, welche Ludwig mit militärischer Strenge und diplomatischer Genauigkeit organisirte. Er schuf eigene Dekorationen für ein sogenanntes Civilverdienst, er setzte eine Rangordnung für jedes Amt fest, und die früher Staatsbeamte hießen, machte er zu königlichen Dienern, welche vom Büttel bis zur Excellenz des Königs Rock tragen mußten. Ludwig schuf für sie eine eigene Ehre: die Beamtenehre; er machte Das, was öffentlich seyn sollte, zum Dienstgeheimniß; er brachte ihnen Vorstellungen von Standesgesinnung und Standesvorzügen bei: er trennte die Bureaukratie vom Volke und machte es ihr zur Pflicht, ihre Interessen von den bürgerlichen zu scheiden; er zog sie in dem Glauben auf, sie wären besser, und berechtigt, sich in Stolz und Hochmuth über das Volk zu erheben. Ludwig XIV. führte, als ein Werkzeug des Despotismus, die Telegraphie ein, um sie als Mittel zu gebrauchen, die königlichen Verfügungen aus dem Centrum des Reichs in alle Theile zu tragen, und durch die Schnelligkeit, mit der das geschah, im Volke den Begriff der königlichen Allmacht zu vermehren. Es ist nicht zu leugnen, Ludwigs Verknechtungsapparat war mit großer Klugheit ausgedacht und wurde mit fester Beharrlichkeit ausgeführt; aber er war theuer: und er würde bald aus einander gegangen seyn, hätte nicht der Erfinder die Mittel zu beschaffen gewußt, welche sein Gebrauch und seine Unterhaltung erforderten. Ludwigs Finanzsystem war die Krone des Despotenwerks. Es bestand aus einem tausendarmigen und tausendräderigen Druck, Saug- und Pumpenwerk, das wie ein Polyp seine Saugwarzen und Saugrüssel an alle Gefäße des Volkskörpers heftete, jeden Tropfen des Erwerbs dem Fleiße zu entziehen wußte, jeden Genuß, bis zum Salz des Bettlers herab, besteuerte, jedes Glied des arbeitenden Volks wie eine Riesenschlange umwand und ihm das Leben auszog. Dieses System nahm seinen Theil von jeder Kartoffel und jeder Rübe, forderte ewige Renten aus des Verkehrs Kreislauf, und behandelte das Volk als eine Heerde, die sich von der Schafheerde nur dadurch unterschied, daß diese des Jahrs nur einmal, jene aber alle Tage geschoren ward. Ludovicus Magnus verstand es, sogar die Organe bes Despotismus selbst zu beschatzen, indem er sowohl Aemter als Hofdienste – verkaufte. Jeder Rang und jede Stelle hatten ihren Preis; und Hunderte von königlichen Agenten machten die Mäkler im Reiche, um Vakanzen, nicht nur wirkliche,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 228. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/234&oldid=- (Version vom 20.7.2025)