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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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erhalten seine Pflicht war; – die Klugheit, der Egoismus, welche es verstanden, den Bau der Despotie mit blendenden Dekorationen zu schmücken, das Mäcenat der Künste und Wissenschaften zur Selbstverherrlichung zu gebrauchen und den Nimbus des Erhabenen und Göttlichen um seine Erscheinung zu legen, – waren Eigenschaften, welche dem Thronerben mangelten. Dieser hatte mit Ludwig XIV. nichts gemein, als die Launen des Despoten und die bodenlose Gier der Gewalt, vor der kein Recht und kein Eigenthum im Staate sicher ist, nach dem die Hand auszustrecken sich lohnt. Ludwigs Blick war scharf genug, um den Staatsruin vorauszusehen, der nach seinem Tode kommen mußte; er sah die Ausartung seiner gegliederten Beamtenschaft in volligen Cretinismus, er sah das absolute Regiment feiler, lüderlicher Weiber, er sah das fortsteigende Bedürfniß bodenloser Verschwendung und Verschleuderungen, er sah den Raub voraus, den sein Nachfolger am Vermögensrest der Bürger begehen werde; er sah voraus jene Staatsbeutelschneiderei, die schon wenige Jahre nach seinem Ableben in dem Law’schen Papiergeldsystem ihre Krone erhielt. – Doch „auch ein Ludwig war nicht ohne Trost“. – – Ludwigs Triumph war es, daß die Fluth der Schlechtigkeit, der sittlichen Verkehrtheit und des Volksbetrugs, mit der er das Unglück Frankreichs geschaffen hatte, fortfluthete bis zu den Grenzen Sibiriens; denn selbst der ungeschlachte Hühne Peter von Rußland wurde französischen Meistern in Lehre und Zucht gegeben und von ihnen in die Geheimnisse der Tyrannei eingeweiht. Ludwig XIV. erhob Paris zum Thier der Apokalypse, vor dem die Fürsten und Vornehmen des Welttheils auf den Knieen lagen und in Andacht die Augen verdrehten. An der Seine glänzte das Licht der neuen Bildung, und die Sonne war der „große König“ selber, der Zauberer, der sie aus dem Orkus heraufbeschworen hatte, der Solon, der ihre Gesetze schrieb.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 233. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/239&oldid=- (Version vom 23.7.2025)