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DCL. Baireuth.




In Culmbach verließ ich die Eisenbahn, miethete einen Wagen und fuhr nach Baireuth. Es war eine stille, warme Nacht. Die Sterne sahen hell und freundlich vom tiefblauen Himmel auf die schlafende Erde herab und ihr Licht spielte mit den Wellen des jungen Mains, an dessen Ufer die Straße sich hinzog. Johanniswürmchen funkelten aus dem Grase, oder haschten sich in den Büschen, mit denen der Nachtwind bald leiser, bald lauter kosete, und dann und wann sang das rauschende Wehr einer Mühle seinen Choral vom Thal herauf. Alles war Friede, Alles athmete Liebe. Ich lag ausgestreckt im offenen Wagen, begrub Augen und Gedanken in die dunkle Tiefe des Weltraums und überließ mich meinen Träumen. – Gott ist die Liebe. – – Die Liebe regiert das Universum, die Liebe hält die Welt in ihren Bahnen, der Geist der Liebe beseelt die ganze Erde. Dieser Gedanke scheuchte allen Haß aus meinem Herzen. Ich hörte den Geist der Liebe rauschen im Strome, ich hörte ihn plätschern im Bach, ich sah ihn auf den Bergen, ich lauschte auf ihn in den Wipfeln der Wälder. Ich fühlte mich nicht mehr einsam; ich hatte keine Sorge mehr um irdisches Gut, ich dünkte mich so reich, so selig! Warum sind solche Stunden so selten und warum vergehen sie so schnell? – Ich träumte noch, da hörte ich meinen Wagen auf dem Straßenpflaster rasseln; ich fuhr auf, ich war in Baireuth.


Vor hundert Jahren nannte man Baireuth das fränkische Paris, und es hatte sein Versailles und St. Cloud, nur im verjüngten Maßstabe. Noch trägt Baireuth das Hofkleid. – Die Stadt (die 20,000 Einw. zählt) ist heiter und weitläufig gebaut, offen nach allen Seiten und mit Anlagen, Alleen, Promenaden, Springbrunnen, Statuen verschönert, ihre Hauptstraßen sind gerade und breit; die Friedrichsstraße ist sogar prächtig und die Staatsgebäude: Schloß, Kanzlei, Opernhaus, Reithaus mit dem Theater, Marstall, Jagdzeughaus etc. sind groß und massiv im Roccocostyl aus Ludwig XIV. Zeit. An schönen Partien in der Umgebung fehlt’s den Baireuthern nicht.