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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Menschen, die sie errichteten, noch früher von den Blättern der Geschichte; aber in Jean Paul lebt eine goldene Zeit, die nicht rostet, ein Frühling, der nicht abblüht, eine ewige Jugend. Und an dieser hat nicht nur ganz Deutschland, es hat die ganze Menschheit Theil. Jean Paul lebt jetzt schon beim zweiten Geschlecht, und er steigt und wird fortsteigen mit jedem Menschenalter in der allgemeinen Liebe und Verehrung. So lange es Menschen gibt, wird Jean Paul’s Flammengeist nie verlöschen, so wenig wie der Geist Homer’s und Shakespeare’s. Wenn einst alle Kronen gefallen sind von den Häuptern der Könige, und zerbrochen alle Schwerter in der Hand der Volksschlächter, und alle Kanonen umgegossen zu Ehrensäulen großer Menschen, und alle Völker in Frieden leben mit einander und glücklich sind in der Liebe und in der Freiheit: da wird noch die Dankbarkeit Tempel bauen über die Bildsäulen der hohen Priester der Humanität, und Jean Paul wird den allergrößten erhalten. „Jean Paul“ – sagt Börne – „hat zwar nicht allen seinen Zeitgenossen gelebt; aber eine Zeit wird kommen, da wird er Allen geboren werden. Jean Paul sang nicht in den Palästen der Reichen; er scherzte nicht mit seiner Leyer an den Tischen der Fürsten, er war der Dichter der Niedergeborenen, er war der Sänger der Armen, und wo Betrübte weinten, da vernahm man die weichen Töne feiner Harfe. Jean Paul ist der Jeremias seines gefangenen Volks. Er findet seine Schmerzen, er weckt seine Hoffnung. Er schleicht sich in die Kammer, wo du einsam weinst, wirft sich an dein Herz und sagt: ich komme, mit dir zu weinen. – Träumt deinem guten Engel – so steht Jean Paul vor seiner Wiege – und wird dir’s kalt und frostig in der Einöde deines Herzens – so sucht er dir die Oasen, die versteckten Paradiese, auf. Er löset die Rinde von der verhärteten Brust und zeigt den weichen Bast darunter, und in der Asche des ausgebrannten Vulkans findet er den letzten Funken und facht ihn zur hellen Liebesflamme an. Jean Paul ist der Sänger der Tugend und der Sittlichkeit. Nie schmückte er die Sünde mit den Blumen seiner Worte, nie bedeckte eine unedle Regung das Gold seiner Reden. Er war der Streiter Gottes für Religion, Recht, Wahrheit und Freiheit, und nie deckte bei ihm die Flagge eines mächtigen Namens unrechtes Gut! Wo er das sah, – da war er ein Donnergott; er war eine blutige Geisel im Strafen, ein David, wenn er niederschleuderte den Riesen Hochmuth, ein Simson, wenn er die Schlauheit, die Arglist, die Untreue schlug, ein Herkules, wenn er den Betrüger, den Lügner, den Unterdrücker den Tyrannen von seiner Höhe in den Staub zog. –
So war Jean Paul. – Fragt Ihr, wo er geboren, wo er gelebt, wo seine Asche ruhe? – so sage ich Euch: – Vom Himmel ist er gekommen, auf der Erde hat er gewohnt, unser Herz ist sein Grab. –
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 238. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/244&oldid=- (Version vom 26.7.2025)