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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Gestalten, hüllten sich in ihre wollenen Decken und warfen sich, des Commando’s stets gewärtig, zum kurzen Schlummer auf die gerollten Taue; aus der Küche aber schallte ein lustiges Lied, zuweilen von Gelächter unterbrochen. Endlich erlosch auch der letzte Gipfel der Cordilleren. Ein kühler Ostwind strich von dem Hochgebirg herüber, die Wogen kräuselten sich und spritzten ihren Gischt manchmal auf’s Deck. Es wurde feucht und frostig und Alle eilten nach den innern Räumen, um die Schlafstellen aufzusuchen. Keine leichte Aufgabe! Jeder Passagier hatte seine Nummer empfangen: aber Mancher schnarchte in unrechtmäßigem Besitzthum, und die Regulirung aller Ansprüche gab zu den drolligsten Scenen und den lächerlichsten Entschuldigungen Anlaß. Die See ging hoch. Das Schwanken des Schiffs vermehrte sich von Augenblick zu Augenblick, und es entstand unter den allerwärts aufgestapelten Koffern, Schachteln und Nachtsäcken eine Revolution. Die vierfach über einander geschichteten Schläfer krochen, durch den Lärm aufgestört, aus ihren Schubfächern, um nach ihren Habseligkeiten zu sehen, und bald glich unsere Kajüte einem Pandämonium. Unverständliche Drohungen und Flüche schwirrten durch den matt erleuchteten Saal. Dort war ein Yankee mit einem leipziger Doktor, hier ein Kreole aus Valparaiso mit ein Paar heißblütigen Spaniern aus Lima in Streit und ein vierschrötiger Holländer saß auf seinem Nachtsack neben zwei Franzosen, die, von der Seekrankheit jämmerlich geplagt, sich auf seine breiten Schultern stützten. Endlich ließ zum Trost Aller der Wind nach, der Gang des Dampfers wurde stätiger, und die leichenbleichen Nachtwandler verkrochen sich wieder stöhnend und ächzend in ihre Repositorien. Andere aber, der katzjammernden Dünste und Laute müde, suchten die Treppe und erklommen das Verdeck.
Mitternacht war vorüber. Im Osten umzogen die ersten Lichtstreifen den Horizont, und das funkelnde Licht der Gestirne ließ die Gipfel des Küsten-Gebirgs in schwachen Umrissen erkennen. Dann und wann führte der Ostwind das ferne Tosen der Brandung an unser Ohr und mengte es mit dem Rauschen der Räder, dem unheimlichen Gesumse in den Räumen unter unsern Füßen und dem Stöhnen unserer Maschinen. – Der Cours des Schiffs war beständig nordwärts. „Wir werden die mexikanische Küste vor Mittag im Angesicht haben“, sagte der Steuermann, und als es Tag wurde, konnte schon das bewaffnete Auge die schroffen Wände der Vorgebirge im Süden der Bay von Tehuantepec unterscheiden. Vor der Küste ragten grotesk geformte dunkle Felsenmassen auf und tief landeinwärts guckten aus der schwankenden Dämmerung die Riesengipfel, welche die Grenzmarken von Mittelamerika hüten.
Die Küste von Mittelamerika zeigt in dieser Breite bald hohe, kahle, kegelförmige Berge, an deren Fuß zuweilen niedrige, mit tropischen Walbungen bewachsene Terrassen entgegenlachen; bald wirbeln aus hochaufragenden Berggipfeln Rauchwölkchen und verrathen den Vorüberfahrenden die vulkanischen Gewalten, welche diese gepriesenen Gegenden beherrschen und oft verwüsten. Auf der mexikanischen, weiter nordwärts, verliert sich die Zuckerhutform
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 246. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/252&oldid=- (Version vom 26.7.2025)