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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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bisherigen Maßstab fortwächst (und es ist keine Ursache vorhanden, daran zu zweifeln), so wird es vor Ablauf des Jahrhunderts 3 Millionen Einwohner haben und London und New-York an Größe übertreffen.
Bevor wir eine Schilderung der hervorragendsten Momente im hiesigen Leben versuchen, denken wir uns noch einmal auf unsern Dampfer zurück! Drei Kanonenschüsse von der Batterie an der Einfahrt rufen uns das Willkommen entgegen und der Telegraph meldet unsere Ankunft in der Stadt an 100 Orten. Alles ist auf den Verdecken versammelt, spähend und in unruhiger Erwartung. Boote und kleine Barken fahren dem Dampfer zu; sie bringen Bekannte und Freunde von Passagieren an Bord, die sie jauchzend empfangen. Je näher dem Landungsplatze, – je gewaltiger umdrängt den neuen Ankömmling das rege Hafenleben. Die stündlich nach dem Sacramento und dem Joaquin abgehenden kleinen Dampfboote rufen im Vorüberfahren ihr Hurrah; Buchsirschiffe rasen hin und her, Segelschiffe aller Art, von der chinesischen Junke bis zu der stolzen Fregatte, mit Volk aller Farben und aller Zonen, die in allen Sprachen der Erde reden, durchkreuzen unsern Pfad, kurz, Alles scheint so fieberhaft und phantastisch, daß sich der, der es zum ersten Male sieht, des Gefühls des Schwindels nicht erwehren kann. Der Wechsel überkommt ihn zu plötzlich. Seine ausschweifendsten Vorstellungen reichen nicht an die Wirklichkeit. Im stillen Ocean, auf der 14tägigen Fahrt pflegte er sich in plastischer Ruhe; hier that sich plötzlich ein Leben auf, das er nie geahnt hat. Er schaut in dasselbe wie in einen Strudel: voller Lust und voller Bangen, voller Hoffnung und voller Zagen. „Da unten liegt’s, was Du suchst, der Schatz des Reichthums, das Gold, das Dir ein Leben voller Genuß, Unabhängigkeit und Bequemlichkeit schaffen soll – aber hineinstürzen mußt Du, um es zu erhaschen! Wird es gelingen? Wirst Du statt eines Gewinns nicht eine Niete ergreifen und dann, inmitten des leicht erworbenen Reichthums und des erfolgreichen Jagens Anderer nach Glück, nicht die Entbehrungen der Armuth zehnmal schmerzlicher empfinden, als in der Heimath? Solche Gedanken packen und zwacken die Mehrzahl der Kalifornia-Wanderer und gar Viele fühlen die Dualen getäuschter Hoffnung und der Furcht, noch ehe sie das Land ihrer Sehnsucht und ihres Wagens betreten haben. – –
Ober-Kalifornien, das Land, dem das Gold ein so fabelhaftes Fortschreiten und Gedeihen gegeben hat, war, so lange es unter spanischer Herrschaft stand und zu Mexiko gehörte, einer der unbekanntesten Striche unsers Erdbodens; ja, so gänzlich unerforscht war sein Inneres, daß selbst die besten Karten bis zum Jahre 1840 seine hydrographischen und Terrainverhältnisse ganz unrichtig angeben. Das Wissen darüber beschränkte sich auf das Wenige, was durch die Niederlassungen (Missionsstationen) der Jesuiten bekannt wurde, welchen Land und Volk überlassen war. Die Etablissements derselben waren an der Küste und auf einigen Punkten der schiffbaren Flüsse zerstreut; die Thätigkeit der Väter aber ging nicht über den Zweck hinaus, die nächstwohnenden
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 251. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/257&oldid=- (Version vom 29.7.2025)