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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Indianerstämme zu Christen zu bekehren, d. h., ihnen die äußeren Formen des christlichen Kultus beizubringen, um sie nebenbei der Priesterschaft dienstbar zu machen. Kein Lichtstrahl der wahren Christusreligion fiel in die umnachtete Seele der armen Rothhäute und kein nützliches Wissen machte sie glücklicher. Unwissenheit und Finsterniß, Aberglaube und Verdummung waren allezeit den Söhnen Loyola’s Volksheiligthümer, die man nicht antasten durfte, wo sie vorhanden waren, und für die man Propaganda machen mußte, wo sie mangelten. So war’s gestern, so ist’s heute.
Erst in den 40er Jahren, als die Handelsleute der Vereinigten Freistaaten ihre Unternehmungen immer weiter nach Westen ausdehnten und ihre kühnen Emissäre das Eis der Felsengebirge überstiegen, um die Gegenden jenseits desselben zu erforschen, – fiel Licht auf jene bisher unbekannten Länder. Obrist Freemont machte die Erforschung der Wegsamkeit der Bergkette und einer bequemen Route vom Mississippi nach dem Stillen Meere (der kalifornischen Westküste) zu seiner Lebensaufgabe, und den mehrfachen Reisen dieses mit allen nöthigen Kenntnissen und Hülfsmitteln ausgerüsteten Mannes danken wir die ersten richtigen Karten und Begriffe über die Beschaffenheit Utahs und Kaliforniens. Freemont stattete über die Erfolge seiner Entdeckungsreisen der Unionsregierung Bericht und lenkte dadurch zuerst die öffentliche Meinung auf die Würdigung jener so lange vernachlässigten Länder. Die uralte Sage von Kaliforniens Goldreichthum fand Freemont in den Erzählungen der Indianer und in dem mancherlei Goldschmuck derselben bestätigt; aber über die Fundorte und die Ausdehnung der Goldlager konnte er keine sichere Informationen erlangen. Daß die alte Sage kein Mährchen sey, war jedoch klar und dies hielt das Interesse der Nordamerikaner für Kalifornien beständig wach.
Als daher im Jahre 1846 die Einverleibung des ehemals zu Mexiko gehörenden Texas zum Kriege zwischen der Union und jenem Staate führte, der mit der Eroberung der Hauptstadt der Azteken durch die Amerikaner endete, – so machte die Union die Abtretung Ober-Kaliforniens gegen eine Geldentschädigung zur Friedensbedingung. Dies war im Jahr 1847. Ober-Kalifornien hatte damals nicht ganz 8000 Einwohner europäischer (spanischer) Abstammung, die in den Missionen der Jesuiten und an einigen kleinen Küstenorten sich niedergelassen hatten. Die Jesuiten verließen das Land und die Unionsregierung schritt sofort nach der Besitzergreifung zu den Maßregeln für rasche Kolonisation. Sie begünstigte die Einwanderung in jeder Weise. Mehre Auswandererzüge aus dem Westen wählten, als Freemont einen bequemen Paß durch’s Felsengebirge gezeigt, sich die Dampfschifffahrt auf dem Missouri bis zum Yellow-Stone-River ausgedehnt, und zudem die Mormonen ihre Niederlassung am großen Salzsee, auf halbem Wege, gegründet hatten, Kalifornien zu ihrem Ziele. Die wunderschönen Gegenden des untern Sacramento innerhalb 50 englischen Meilen von St. Francisco wurden die ersten Niederlassungen der Amerikaner in dem neuerworbenen Lande, und zu ihnen gesellte sich bald
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 252. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/258&oldid=- (Version vom 29.7.2025)