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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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und Schaufeln. Jeder Tag brachte Kunde von neuen Goldlager-Endeckungen, und schon Ende des Jahres 1849 war es erwiesen, daß die Goldhaltigkeit des Alluvialbodens sich über ein Gebiet von 50,000 englischen Quadratmeilen ausdehne und dieser unerschöpfliche Goldschatz doch nur zu dem in seiner Geburtsstätte, den Schneebergen der Sierra Nevada, wie ein Tropfen zum vollen Eimer sich verhalte. Im ersten Jahre war der Durchschnittsverdienst eines Goldsuchers über 25 Dollars täglich; Viele ernteten das Zwanzigfache, Einzelne wurden durch glückliche Funde in wenigen Tagen reich. Da das Goldwaschen fast alle menschliche Arbeit absorbirte, so entstanden daraus unglaubliche Nothstände und Verhältnisse. Die Bevölkerung und die Tausende der täglichen Zuwanderer zerstreuten sich in die Thäler und Gerinne der Flüsse und Bäche bis hoch in die Gebirge, wo sie sich in Reißighütten, oder kleinen Zelten ein dürftiges Obdach zu verschaffen suchten. Weg- und steglos waren diese Gegenden und so sehr von den Häfen und Küstenstrichen abgeschnitten, daß die Lebensmittel nur auf die mühseligste und kostspieligste Weise auf dem Rücken der Maulthiere und Menschen hingeschafft werden konnten. Bei jedem Gewitterregen schwollen die Gebirgswässer an, zerstörten die Arbeiten der Goldsucher und hoben für Tage und Wochen die Kommunikation mit San Francisco – dem damals einzigen Markt für die Lebensbedürfnisse, – auf. Manchmal verhungerten die Menschen in den Bergschluchten neben ihren Goldsäcken; oft gaben sie ihren ganzen Schatz, das Produkt langer Arbeit, für einige Pfund Mehl hin, um nur das Leben einige Tage zu fristen. Maulthiere wurden im Jahre 1848 bis zu 1000 Dollars bezahlt; eine wollene Decke mit hundert Dollars etc., für eine Flasche Rum oder Wein gab man eine Unze Golbstaub. Auf dem Landwege über das Felsengebirge und die Sierra Nevada gingen die Einwanderer zu Tausenden an den Strapazen einer 4monatlichen Reise in den unwirthbaren, von wilden Indianerstämmen bewohnten Ländern zu Grunde. Weil jeder Ankömmling nur nach Gold strebte, und sein Ziel nach den Goldwäschen im Gebirge richtete, so konnten die nöthigen Arbeitskräfte für San Francisco und zum Transport der Lebensbedürfnisse der Goldgräberschaaren kaum zu den unglaublichsten Preisen erlangt werden. Der Matrosensold stieg auf 400 Dollars monatlich; der Taglohn in San Francisco auf 20 Dollar; der des Handwerkers auf 30 bis 40. Die geringsten Handleistungen wurden mit Gold aufgewogen. Keine Wäsche wurde mehr gewaschen; kein Kleid mehr ausgebessert; denn Wasch- und Flicklohn betrugen mehr als der Werth der Sache. Man ließ die Häuser in New-York, England, Frankreich, Deutschland zimmern und fertig nach Kalifornien schaffen, um sie da zusammen zu setzen; und manche solcher Bauspekulationen gaben anfänglich Reichthümer. Für eine Kammer eines Holzhauses war der Miethpreis monatlich 100–300 Dollars; für Magazine, 20 Ellen im Quadrat, 5000–8000 Doll. jährlich. Das Baumaterial wurde mit den ungeheuersten Kosten aus entfernten Ländern herbeigeholt, obschon das beste in nächster Nähe in Ueberfluß vorhanden
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 254. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/260&oldid=- (Version vom 29.7.2025)