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war: aber da Alles Gold suchte und Gold fand, so waren keine Hände übrig, das Holz zu fällen und die Steine zu bearbeiten. – In Chili machte man die Backsteine für San Francisco, in Valparaiso und Lima sägte man die Breter, China sandte das Heu für die Maulthiere, die Sandwichinseln den Hafer, England die Gerste, – und das Faß Mehl, welches in New-York 4 Dollars kostete, wurde von den Goldwäschern im Gebirge manchmal mit 200 Dollars bezahlt. Die Geschäfte nach Kalifornien wurden unter solchen Verhältnissen zu einem Lottospiel, in welchem Jeder den Einsatz auf Ternen und Quaternen machte. Je nachdem eine Waarenladung in San Francisco einen leeren oder vollen Markt traf (was im Voraus nie zu berechnen war), so wurden 1000 und 2000 Prozent verdient, oder Alles verloren; denn in unzähligen Fällen mußten bei momentaner Ueberführung des Marktes ganze Schiffsladungen von Importen unter dem Frachtpreise verschleudert werden, weil weder Magazine genug vorhanden waren, sie aufzunehmen, noch auch die Einführer Mittel und Muth genug hatten, die ungeheueren Kosten eines längeren Auflagerns zu wagen. Heute reich, morgen Bettler – war das Motto dieser Bevölkerung geworden, die heute schwelgte, um vielleicht morgen trockenes Brod mit Goldstaub aufzuwiegen – und bei diesem Auf und Nieder wurde das Leben selbst den wildesten, rohesten Leidenschaften zum Raub. Keiner traute dem Andern mehr; nirgends in der Welt war das Gold theurer, als da, wo es Jeder im Kothe finden konnte. Der monatliche Zins gegen Grundhypothek stieg auf 5 Prozent, der Wechseldiskont auf ein Prozent für jeden Tag. Die Regierung war kraftlos; die Legislatur ohne Autorität. Kein Gesetz wurde geachtet, Mord, Diebstahl und Brand waren die Tagesordnung eben so in San Francisco, wie in den Minen und Wäschereien. Die Sicherheit des Eigenthums ruhte am Ende nur noch im Gesetze der Nothwehr und der Stärke der Faust, und die Lynch, jene furchtbare Justiz ohne Gerichtshof, die den auf frischer That ertappten Dieb am nächsten Baum hängt, wurde Retterin der Gesellschaft. Niemals hat Clio solche Geschichten oder Zustände aus der Kinderzeit eines Staats aufzuzeichnen gehabt, und schon der Gegenwart, so nahe sie ihr liegen erscheinen sie, wie die Visionen eines Romanschreibers.

Und doch war’s das erste Lebenszeichen eines Herkules! Seit 1848, seit Sutter’s Indianer das erste Goldstück aufhob, – hat das Feuer der Mordbrenner San Francisco 7mal mehr oder weniger zerstört; aber ehe seine Asche recht kalt wurde, ist es jedes Mal herrlicher, größer und prächtiger erstanden, als es zuvor gewesen. Die staatliche Organisation ist aus der Anarchie, die Ordnung aus dem Wirrsal, die Achtung vor dem Gesetze aus der Gesetzlosigkeit erwachsen und die freieste Verfassung vereint jetzt eine Bevölkerung zu friedlichem Emporblühen, welche zusammengesetzt ist aus allen Völkern der Erde, die alle Sprachen, wie bei’m Thurmbau zu Babel, redet und ihres Gleichen nicht mehr auf der Erde hat. Handel und Gewerbe haben ihre Geleise gefunden; das Angebot der Arbeit zum Kapital, Lohn und Erwerb, fanden das richtige Verhältnis, bei dem sich Alle wohl befinden und Alle zu Reichthum und Wohlstand gelangen können. Die Vermögen wechseln nicht mehr wie vor