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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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einigen Jahren, - es sey denn in den Händen professioneller Spieler; denn die Leidenschaften sind gezähmt und die Beispiele ihrer rohesten Ausbrüche, die sonst die Tagesordnung waren, sind Seltenheiten geworden. Die Zeichen der Gesittung und der gesetzlichen Ordnung treten jetzt überall, in den Städten wie in den fernsten Niederlassungen der Minenarbeiter, dem Beobachter entgegen, gegenseitiges Vertrauen hat persönlichen Kredit geschaffen, das Kapital ist wohlfeiler geworden und der Zinsfuß sinkt von Monat zu Monat zu einem billigen Normalsatze herab. Im ganzen Lande, hinan bis zu den Quellen des Joaquin und Sacramento, werden Städte und Dörfer erbaut, entstehen Niederlassungen und Gehöfte, der Ackerbau macht reißende Fortschritte und über zwanzigtausend Arbeiter sind zur Zeit beschäftigt, die Kommunikationsmittel zu erleichtern, Brücken zu bauen, Dämme aufzuwerfen und das Land mit Straßen zu bedecken. Ueber fünfzig Dampfschiffe befahren den Joaquin und Sacramento; zwei Eisenbahnen, die eine nordwärts von San Francisco nach Shasta City, die andere südwärts nach Stockton, sind in Angriff, Theater erheben sich in San Francisco, Sacramento City, Stockton und Benicia; die öffentliche Meinung des Landes findet ihren Ausdruck durch siebenzehn Zeitungen und Journale, Tagesblätter erscheinen in allen größern Städten nicht bloß englisch, sondern auch französisch, spanisch und deutsch. Selbst die Söhne des himmlischen Reichs (die Einwanderung der Chinesen ist bereits auf 30,000 Köpfe gestiegen) erbauen ein Theater in San Francisco und haben eine Druckerei errichtet. Eine Universität ist fundirt, höhere Schulen sind in Stockton, San Sacramento und San Francisco errichtet oder im Entstehen; der Elementarunterricht ist überall organisirt, Kirchen und Schulen werden aller Orten gebaut und der Sinn für Wissenschaft und Kunst findet in literarischen und musikalischen Klubbs und Vereinen Ausdruck. Auch das Familienleben gewinnt mit jedem Tage mehr Kraft und Festigkeit, seitdem die Einwanderung der Frauen, die in den ersten Paar Jahren sehr schwach war, zugenommen hat. Der größte Krebsschaden an der Gesellschaft in Kalifornien ist noch zur Zeit die Hazard-Spielsucht, welche der schnelle und leichte Erwerb von Reichthümern begünstigt. Es gibt nicht weniger als 400 Spielhäuser in San Francisco, und keine Stadt des Landes hat sich von dieser Pest frei erhalten können. Bei’m Roulett und Monte wechseln täglich hunderttausende von Dollars ihre Besitzer und Betrug, Ueberlistung, Debauche und Verzweiflung sind die Stammgäste in jenen Häusern der Habsucht und des Verbrechens.
Als Stadt ist San Francisco recht großartig angelegt, auch schön gebaut, und wer es vor den großen Bränden gesehen hat mit seinen Holzhäusern, Buden, Barracken und Zelten, kennt es nicht mehr. Sie ist im Range jetzt die erste Stadt am stillen Ocean. Ihr Wachsen ist unglaublich schnell. Während sie sich noch im Jahre 1849 von Ost nach West nur von Montgomery-Street am Strande der Bay bis nach Dupont-Street erstreckte
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 256. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/262&oldid=- (Version vom 29.7.2025)