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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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und in der Richtung von Nord nach Süd von California-Street bis Broadway reichte, hat sie jetzt nicht nur ihre Straßen tief in die Bay selbst hinausgeschoben, sondern auch die nächsten Höhen und Thäler mit Häusern überdeckt. Der heutige Umfang ist 6 englische Meilen; aber schon ist wieder ein neuer Raum von 2 engl. □Meilen mit Straßenlinien besteckt, und ehe das Jahrzehnt zu Ende geht, wird San Francisco Wien und Berlin an Größe nicht nachstehen. Anfangs vorigen Jahres war die Zahl der Einwohner 30,000; man schätzt sie jetzt auf 70,000 und rechnet auf den Bau von 1500 neuen Häusern in diesem Jahre. California-, Clay, Washington-, Sacramento- und Jakson-Street und die Stadtteile zwischen der Battery und Rincoin-Point dehnen sich gegenwärtig über ein Stück von der Bay aus, wo noch vor 2 Jahren über 100 Schiffe ankerten. Große Bauten von Werften, Kayen und Magazinen entstehen auf verschiedenen Punkten an der Bay, und der Hafen selbst erlangt eine immer größere Ausdehnung. Die schönsten Theile der Stadt sind die Squares um Montgomery-, Stockton-, California-Street und Broadway. Dort ist der fashionable Stadttheil, das „Westend“, wo die Millionärs, die Banken und Großimporteurs ihre Wohnungen haben, wo die Staatsverwaltung ihre Sitze hat, die schönsten Hotels und die prächtigsten Spielhöhlen anzutreffen sind. Portsmouthsquare ist ebenfalls eine imposante Häusergruppe. In allen Stadttheilen aber summt, rennt, fährt und reitet das geschäftvolle Leben, und selbst New-York, wo das Jagen und Treiben der Menschen so sehr auffällt, ist mit San Francisco nicht zu vergleichen. Auf keinem Punkte der Erde ist aber auch das Yankee-Wort so wahr: Time is money (Zeit ist Geld), als hier, wo Jeder ohne Ausnahme von dem Vorsatz fortgetrieben wird, in der kürzesten Zeit reich zu werden, und wo Jeder in der sparsamsten und vortheilhaftesten Benutzung der Zeit das Mittel dazu erkannt hat.
Bei der raschen Ausdehnung der Stadt müssen ihr die nächsten Ortschaften bald einwachsen. Südwärts rücken die Häuserreihen der ehemaligen Jesuitenmission Dolores, einem rasch aufblühenden gewerbsamen Städtchen, entgegen, und ein anderer Ort, Happy-Valley, ist schon Vorstadt geworden. Hier wohnen vorzugsweise Arbeiter und Handwerker um große Etablissements, die auf Rhederei und Schiffbau Bezug haben. Die täglich zunehmende Frequenz des Hafens durch Schiffe aus den entferntesten Weltgegenden gibt beständig zu vielen Ausbesserungen Veranlassung, welche bei dem hohen Preise aller Handarbeit (der Schmied- und Zimmergesell erhält auch jetzt noch 8–12 Dollars täglich; und für den Taglöhner ist 4–6 Dollars der gewöhnliche Lohn!) zu einer Quelle des Reichthums für viele Handwerker werden. Als die einträglichsten der hiesigen Geschäfte haben sich aber kluge Bauunternehmungen und Spekulationen in Land, das, bei der Stadt gelegen, sich wegen ihres Wachsens, bald zu Bauplätzen eignet, erwiesen. In vielen hundert Fällen ist Land, welches vor 5 Jahren der Acker unter 10 Dollar in Menge erworben werden konnte, in
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 257. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/263&oldid=- (Version vom 1.8.2025)