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DCLIV. Dher-Warrah.




Die Kunst ist eine Tochter ihrer Zeit und jedes ächte Kunstwerk ist das Porträt der Bildungsstufe des Volks, aus dem es hervorging, des Geschmacks, der Empfindung und der Phantasie, welche bei seiner Hervorbringung thätig waren. Darum hat jedes Kunstwerk nur sich selbst, d. h. seiner Zeit Rechnung zu tragen, es hat seine eigene Schönheitsregel und ist keiner andern unterworfen.

Wie die Kultur des Menschengeschlechts überhaupt eine Menge Entwickelungsstufen von den rohesten Anfängen bis zur Gegenwart überschreiten mußte, wie sie im Laufe der Jahrtausende bald im raschen Fortgange begriffen war, bald stagnirend stille stand, bald wie die ebbende Woge weit zurückschritt, gleichsam, um einen neuen Anlauf zu gewinnen für den weitern Fortschritt: – so hat auch die Baukunst eine Menge Entwickelungsperioden durchlaufen. Die Formen dieser Entwickelung waren bei den verschiedenen Völkern und in den verschiedenen Zeiten nothwendig verschieden. Sie waren bedingt durch Klima und Bedürfnisse, Denk- und Vorstellungsweisen, durch Sitten und Gebräuche. So bildeten sich die verschiedenen Architekturstyle, welche mehr oder minder in dem jeweiligen Volksleben wurzeln.

Die Urgeschichte der Architektur hüllt sich, wie die aller andern Künste, in Dunkelheit. Das rohe Bedürfniß der Wohnung war ihre Mutter. Der Mensch sah den Biber Hütten bauen, er sah den Löwen oder den Bär in Höhlen Obdach suchen und seinen Haushalt einrichten: und er baute sich auch Hütten, oder grub sich Höhlen aus. Das Blockhaus des amerikanischen Hinterwäldners, die Erdhütte des Eskimo sind die architektonischen Urtypen, die bis in die Sagenzeit des Menschengeschlechts reichen.

Es ist fruchtlos, zu diesen ersten Zeiten hinabzusteigen; denn diese rohen Anfänge waren zu vergänglich, um der spätern Forschung ihre Spuren zurückzulassen. Erst als ein Motiv für die Errichtung dauernder Bauwerke vorhanden war, als die monumentale Architektur durch die erhabenen Vorstellungen der Religion und durch die Bedürfnisse des Kultus ins Daseyn gerufen worden, konnten Werke entstehen, die im Stande waren noch künftigen Jahrtausenden Zeugniß zu geben von den Kulturzuständen und Vorstellungen von Völkern, deren Staub verweht ist.