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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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welcher den Braminen noch zum Cultus dient. Der im Bilde dargestellte Hauptsaal ist über 100 Fuß lang, 40 Fuß breit und die auf beiden Seiten an den Säulen hinlaufenden Bänke oder Stufen dienten dem Volke als Sitze. Die Zeit seiner Erbauung verliert sich in die Sagenzeit; die braminische Chronologie rückt sie in das 6. Jahrtausend vor Christo; die neuere Forschung gibt jedoch allen Höhlentempeln bei Ellora einen jüngern Datum und läßt sie etwa 1000 Jahre vor unserer Zeitrechnung entstehen. Sonst sind die Außenwände dieser Tempel vielfach mit Götterbildern und Ornamenten verziert und manche haben Vorhöfe mit frei aus dem Fels gehauenen colossalen Elephantenfiguren und Denkpfeilern, die mit geschichtlichen Darstellungen überfüllt sind.
Der Eindruck, den diese gewaltigen Denkmäler auf den gebildeten Europäer zurücklassen, ist mehr grauenhaft als angenehm. Uns beengt in diesen unterirdischen Räumen, dem Produkt der mühseligsten Menschenarbeit, das Gefühl des Bedauerns und unsere Vernunft wendet sich mit Widerwillen ab von den abscheulichen Darstellungen der Gottheit, die zwar unser Verstand zu enträthseln sucht, aber unser geläuterter Begriff abgeschmackt findet. Kämpft auch unsere Phantasie mit den ungeschlachten Bildern, so geschieht es nicht mit unsterblichen, sondern mit irdischen Waffen. Unser Gedanke kann nicht heruntersteigen zu den Motiven dieser Bilder ohne Ekel und ohne Mitleid und wir eilen hinaus, wie wir hinein getreten sind, mit dem Gefühl des Grauens, um unsern Geist wieder zu erfrischen am Tageslicht und ihn aufzurichten zu Gott an der großen, hohen, herrlichen Natur.
Im schönen fruchtbaren Neckarthale, auf der Stelle einer römischen Niederlassung, entstand bald nach dem Untergang der Römerherrschaft Heilbronn, welchen Namen der Ort einer Quelle entlehnte, der der Volksglaube in jener Zeit große Heilkräfte zuschrieb. Der Flecken blühte schnell auf und Karl der Große, welcher sich eine Zeitlang zum Gebrauch der Bäder dort aufhielt, erbaute sich ein Schloß, das er zum Rang einer königlichen Pfalz erhob. Stadtrecht erhielt Heilbronn vom Kaiser Heinrich IV., und Konrad III. verlieh ihm sammt seinem Gebiet die Reichsunmittelbarkeit, welche erst kurz vor der Auflösung des Reichs selber
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 269. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/275&oldid=- (Version vom 2.8.2025)