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DCLVI. Auf dem St. Juan in Centralamerika.




Das Schicksal gibt dem Menschen oft den Wundbalsam früher als die Wunde. So geht es Hunderttausenden, welche den zitternden Boden der europäischen Heimath mit der sichern Landveste der neuen Welt vertauschen, ehe ihre Kraft und ihr Muth gebrochen sind und ehe die Verarmung ihnen die Mittel genommen hat, dem Verberben zu entrinnen. Sie eilen fort, nicht um der klaren Vorstellung von Dem willen, was über sie kommen würde, wenn sie blieben; dunkles Unglücksahnen weckt ihren Wandertrieb, das Mißbehagen ist der Cherub, die Unzufriedenheit ist das Flammenschwert, das sie von hinnen treibt und sie drängt, sich zu trennen von Allem, was ihrem Leben Werth gab in ihren Augen: – von den Banden des Bluts und der Freundschaft, von der süßen Gewohnheit des Daseyns, von dem angeerbten Besitze, von dem Hause, in dem sie geboren wurden, von den Gräbern ihrer Väter und Mütter, ihrer Schwestern und Brüder. Die Meisten folgen dem Auswanderungsimpuls instinktmäßig, dem Wilde ähnlich, welches vor dem Erdbeben in die Ferne flieht. Aber wüßten auch Alle: warum? so wissen doch die Wenigsten sich klare Rechenschaft zu geben über die Frage: wohin? In vielen Fällen diktirt der Zufall die Antwort und es geht dabei dem Auswanderer wie jenem Alpenreisenden, welcher sich über die Gletscherpässe bei Nacht führen ließ, damit er nicht auf den gefährlichen Pfaden vor den Abgründen erschrecke. Indem sie den blinden Zufall walten lassen, erwarten sie gleichsam vom Schicksal, daß es sie im Finstern durch die nächste Zukunft leite, damit sie nicht sehen die Gefahren, die sie umgeben, die Leiden und Entbehrungen, die sie erwarten, die Schluchten und Berge, die in ihrem Wege liegen und sie sich nicht betrüben über die Entfernung ihres Ziels.

Es bleibt immer ein so ungeheuerer Entschluß, das Vaterland auf immer zu verlassen und damit die tausend Bande zu zerreißen, die uns an dasselbe knüpfen, daß gewiß selbst unter dem intelligentern Theil der Auswanderer die Wenigsten den Muth haben, sich die volle Konsequenz ihres Entschlusses klar zu machen. Viele machen sich weiß, der Akt selbst sey nur ein Versuch oder ein Schritt, der zurück gethan werden könne, sobald die Verhältnisse anders geworden seyen, die sie wegtreiben, oder ein reichlicher Gewinn ihrer Mühen im fremdem