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Lande sie in die Lage versetzt habe, im alten Vaterlande unter glücklichern Auspicien unabhängig zu leben. Recht Viele bergen diesen Gedanken wie einen Talisman des Trostes in dem geheimsten Kämmerchen ihres Herzens. Sie gehen fort, ihrem Glück vertrauend, und so lassen sich Tausende nicht von den sichersten, sondern den glänzendsten und vielversprechendsten Aussichten leiten, und die Wenigsten denken an die Möglichkeit, daß gerade das Blendendste die gefährlichste Täuschung verbergen mag. Wenn sie dann inne werden, daß sie Katzengold ergriffen, als sie ächtes aufzuheben glaubten – so wundern sie sich und schütten ihr Ach und Weh über Andere aus, während sie bloß ihre eigene Unbesonnenheit anzuklagen haben. Wer die Auswanderung wie eine Lotterie ansieht, der darf sich nicht wundern, wenn er eine Niete zieht. Der einzeln stehende Mann mag, wenn er will, das Glücksspiel immerhin wagen; aber das Schicksal einer Familie unüberlegt auf eine Karte zu setzen – ist ein Verbrechen. Nichts ist für eine Familie bitterer als getäuschte Hoffnung in der fernen neuen, selbstgewählten Heimath, für die man alle Güter des Lebens in der alten zurückgelassen und hingegeben hat.

Für auswandernde Familien ist in neun Fällen unter zehn der Zweck: Erwerbung von Grundbesitz, dessen Kultur und die Verwerthung seiner Erzeugnisse. Zu diesem Zweck sind folglich nicht bloß die physischen Verhältnisse des neuen Landes und die Produktionsfähigkeit des Bodens, sondern auch die Produktionskosten und Absatzverhältnisse für die gewonnenen Erzeugnisse und die Natur seiner staatlichen Einrichtungen und seiner Bewohner in Betracht zu ziehen.

Unter den physischen Verhältnissen eines zur Kolonisation zu wählenden Landes sind die klimatischen die ersten und wichtigsten. Sind sie ungünstig, so muß von der Wahl eines solchen Landes unbedingt abgestanden werden; denn keine anderen Vortheile können dafür Ersatz bieten.

Es ist aber eine allgemeine Erfahrung, daß das Klima in den heißen Erdgürteln der germanischen Organisation, wie der aller nordischen Völker, so nachtheilig ist, daß dadurch von vornherein jede deutsche Kolonie nach den tropischen Ländern als widersinnig erscheint. Selbst die dafür viel weniger empfindlichen romanischen Völker leiden doch in den heißen Klimaten in so hohem Grade, daß sie rasch degeneriren. Nur in der Vermischung mit Negerblut hat sich in Mexiko, Mittelamerika und in den südamerikanischen Ländern die spanische und portugiesische Race auf die Dauer von drei Jahrhunderten überhaupt erhalten können. Die alten Geschlechter der romanischen Einwanderer und Eroberer sind längst verschwunden; an ihrer Stelle besitzen und herrschen die Kreolen – die Mischlinge aus afrikanischem und spanisch-portugiesischem Blute – in jenen sonnigen Reichen und Ländern. Es ist eine sich fortwährend wiederholende und immer von Neuem bestätigte Erfahrung, daß germanische und romanische Kolonistenfamilien, wenn sie ihre Blutsreinheit bewahren, in jenen Klimaten selten über die dritte Generation hinaus dauern. Wenn auch das tropische Klima die Vegetation mit Ueppigkeit