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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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bekleidet und ohne Unterbrechung das ganze Jahr hindurch Früchte zeitigt, mithin die bloße Existenz des Menschen am meisten erleichtert und dem Kolonisten in dieser Beziehung alle Sorge hinwegnimmt, so ist es doch eben deshalb der höhern Menschenentwickelung hinderlich und es tritt den meisten Ansprüchen feindlich entgegen, welche jenseits des Bedürfnisses der bloßen Fristung des Daseyns liegen. In den Ländern der gemäßigten Zonen hingegen findet der Germane die verwandten Vegetationstypen seiner Heimath; er findet gleiches Klima, gleiche Jahreszeiten, gleiche Grade und gleichen Wechsel der Kälte und Wärme; er findet eine Natur, die ihm ihre Früchte nicht umsonst, sondern als Lohn der von Haus aus gewohnten Arbeit spendet, nur mit dem Unterschiede, daß der jungfräuliche Boden ihm die auf die Kultur desselben verwandte Mühen durch vielfach reichern Ertrag besser vergilt, als im alten Vaterlande, und dieser Ertrag ihm vom Staate nicht verkümmert wird. Es bleibt sein, was seine Arbeit erworben hat.– Neben den klimatischen Verhältnissen soll der Amerika-Wanderer auch die geognostischen oder Bodenverhältnisse recht sorgfältig erforschen und prüfen; denn die Flora und Fauna der Gegend, in der er sich niederzulassen gedenkt, ihr Wasserreichthum und ihre Wegbarkeit sind davon abhängig und die mineralischen Reichthümer, das Vorhandenseyn oder der Mangel an Erzlagerstätten und Flötzen fossiler Brennstoffe machen in eben dem Maße ihren Werth und ihre Wichtigkeit geltend, je emsiger man nach ihrer Ausbeutung trachtet und je zugänglicher die Mittel dazu geworden sind. Sie werden in allen Fällen für die Wahl der Niederlassung dann den Ausschlag geben, wenn die sonstigen Verhältnisse gleich sind, und sie können die sicherste Reichthumsquelle für die Zukunft werden, aus der noch Kinder und Enkel schöpfen. Wo das Unterirdische einer Kolonistenstelle Mineralschätze, namentlich Kohlen verbirgt, da läßt sich auch voraus der untrügliche Schluß machen, daß eine solche Gegend einst zum Sitz von Industrien werde, welche eine dichte Bevölkerung und eine oft jede Berechnung übertreffende Werthsteigerung des Grundbesitzes hervorrufen. Wo keine Kohlen sind, da ist Wasserkraft ein Schatz für die Zukunft, der gemeinlich viel zu wenig bei der Ortswahl einer Niederlassung berücksichtigt wird. In den Vereinigten Staaten sind die Beispiele sehr häufig, daß eine große Wasserkraft, die beim Ankauf des Grund und Bodens gar nicht in Anschlag kam, von der später einwandernden Industrie allein mit dem zehn und zwanzigfachen Preise bezahlt wurde, welchen das ganze Gut ursprünglich kostete. –
Auf der ganzen Erde ist kein Fleckchen mehr, dessen Besitz in der Gegenwart lohnend und lockend erscheint, das nicht von den seefahrenden Europäern oder ihren Abkömmlingen als Eigenthum in Anspruch genommen wäre. Ueberall, wohin sich die Deutschen wenden, finden sie also schon einen Herrn des Landes oder Bodens, sey es der Staat, oder der Privatmann. Er muß, um Bodeneigenthum zu erwerben, es erkaufen entweder von dem einen, oder von dem andern.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 275. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/281&oldid=- (Version vom 2.8.2025)