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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Wenn die Menge des Grundbesitzes, der für ein gewisses Kapital zu erlangen ist, für die Wahl des Kolonisationsorts einen praktischen Werth haben könnte, so würde der Strom der germanischen Auswanderung sich längst vorzugsweise nach den tropischen Ländern gerichtet haben. Dort ist rohes Land von unerschöpflicher Fruchtbarkeit unglaublich wohlfeil. Die Republiken in Mexiko, Mittelamerika und in den Aequatorialgegenden Südamerika’s sind immer bereit, von ihrem unermeßlichen unbebauten Landeigenthum Strecken von vielen Quadratmeilen zu Preisen an deutsche Kolonisationsvereine zu veräußern, welche selten mehr als ¼ Thaler für den Morgen betragen, und oft noch vortheilhaftere Käufe sind mit Privat-Grundbesitzern in jenen Gegenden abzuschließen. Aber diesem lockenden Verhältniß stehen die traurigsten Erfahrungen entgegen. Verderben folgte noch fast allemal jedem Versuche germanischer Kolonisation in den Tropenländern Amerika’s auf dem Fuße. Wenn es auch der deutschen Natur gelingen könnte, die zerstörenden Wirkungen des tropischen Klima’s auf den Organismus zu ertragen, so wird der Deutsche doch unmöglich dem Drang zur Trägheit unter dem Einfluß der Hitze und bei dem Umstande widerstehen können, daß ihn die Nahrungsmittel zur Fristung des Daseyns fast ohne Mühe in den Schooß fallen und er für den Ueberschuß der Produktion in den meisten Fällen keinen vortheilhaften Markt findet. Umgeben von der arbeitscheuen romanischen Bevölkerung, wird der Charakter des deutschen Ansiedlers ausarten, er wird die dem germanischen Volksstamme eigne Umsicht, Ausdauer, Thatkraft und Spekulationslust verlieren, eingezwängt in fremde gesellschaftliche und staatliche Verhältnisse und von einer fremden Nationalität überwuchert, wird er sich unbehaglich, unglücklich und elend fühlen. Mit den Romanen und ihren Nachkömmlingen, den Kreolen, sich zu assimiliren, ist für den Deutschen geradezu unmöglich, von ihnen sich beherrschen zu lassen, drückend, die Idee aber, die Nationalität auf isolirten Punkten der deutschen Kolonisation inmitten der fremden Bevölkerung unangetastet zu erhalten, zur socialen Geltung und zu staatlichem Einfluß zu bringen, hat sich allemal noch als eine Chimäre erwiesen. Es bleibt daher immer die Auswanderung nach den Vereinigten Freistaaten von Nord-Amerika die bei Weitem sicherste und empfehlungswertheste und sie ist jeder andern, – würde sie auch unter den allerlockendsten Umständen geboten, – vorzuziehen. Nur erwarte Keiner, der in die Nordamerikanische Union übersiedelt, daß auch da eine Behauptung und Entwickelung der deutschen Nationalität für die Dauer möglich sey, und daß im Staatsleben der großen Republik das deutsche Volk, so viele Millionen auch noch hinüberziehen werden, jemals als solches zur Geltung kommen werde. Vernünftig ist nur das Eine, – sich nämlich der stammverwandten anglo-sächsischen Race, welche jedes andere Volks-Element mit unwiderstehlicher Kraft aufsaugt, auf das Schleunigste zu assimiliren und in ihr aufzugehen; kurz – das Deutsche abzustreifen und Amerikaner zu werden. Daß das deutsche Volk, als solches, berufen sey, in Nordamerika sich wieder zu vereinigen und eine politische und sociale Rolle zu spielen, und in
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 276. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/282&oldid=- (Version vom 2.8.2025)