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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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dieser eigensten Gestalt einen Weltberuf zu erfüllen habe, ist – eine poetische Fiktion. Ein Traum ist’s und bleibt’s, werde der Wahn auch von den Besten und Weisesten behauptet.
Viele Hebel, Kräfte und Thätigkeiten des Eigennutzes und des Irrthums sind in neuester Zeit geschäftig gewesen, den Strom der Auswanderung aus Deutschland in andere Bahnen zu lenken. Kapital und Spekulation haben sich in den Besitz großer, fruchtbarer Landstriche in den romanischen Ländern Amerika’s gebracht und diese mit den lockendsten Farben den Deutschen zur Kolonisation empfohlen. Da sind Vereine entstanden zur deutschen Ansiedelung in Mexiko, Centralamerika und auf der Muskitoküste; zur Niederlassung am Orinoco, in Peru, in Ecuador und in Neu-Granada; ja sogar die brasilianischen Kreolen, denen das schwarzhäutige Sklavenfleisch für ihre Zucker- und Kaffeepflanzungen seit dem Verbote der Negereinfuhr zu theuer geworden war, haben sich wohlfeiles weißhäutiges auf dem deutschen Markte gesucht und sie haben auch herz- und gewissenlose Menschen als Werber und Mäkler aufgefunden, welche ihnen, gegen zu zahlende gute Provision, die Waare, nämlich deutsche Familien, für die bloßen Ueberfahrtskosten zu Tausenden liefern. – Unglück und Jammer ohne Maß sind daraus für viele Deutsche erwachsen und noch vieler Tausende harrt durch die Teufelskünste ihrer Verführer und durch ihre eigene Leichtgläubigkeit, Einfalt und Unbesonnenheit das schlimmste Loos. Selbst den bestimmtesten Versicherungen und Versprechungen, welche von den Regierungen in jenen romanischen Staaten Amerika’s zur Begünstigung der deutschen Einwanderung gemacht werden, soll man keinen Glauben beimessen. Sie sagen bereitwillig alle möglichen Unterstützungen und Vortheile zu; aber selbst, wenn wir nicht immer die Aufrichtigkeit derselben bezweifeln wollen, so steht doch allemal in Frage, ob diese meist schwachen und machtlosen Regierungen, welche gemeinlich nur die Faktionen repräsentiren, die eben im Besitz der Herrschaft sind, sie halten können, und die Erfahrung hat in den meisten Fällen bewiesen, daß sich alle diese Zusagen zuletzt darauf reducirten, der deutschen Einwanderung rohes Land, dessen Kolonisation man oft nur aus einem politischen Grunde, der dem Interesse der Einwanderer fremd oder ungünstig war, wünschte, umsonst oder gegen ganz geringe Preise zum Anbau anweisen zu lassen, sie – zu dulden und ihr den allgemeinen, der Regel nach gar schwachen Schutz der Landesgesetze zu gewähren. –
Lassen wir uns durch eine vorurtheilsfreie Betrachtung und die Erfahrung bei Bildung unsers Urtheils leiten, – die Phantasie soll dabei nie mitsprechen! – so reducirt sich die Frage der deutschen Auswanderung auf folgende einfache Sätze:
- a) sie ist nur nach den gesunden Ländern der gemäßigten Zone, deren Klima dem deutschen gleich ist, oder sich von demselben wenig unterscheidet, anzurathen;
- b) allen andern sind die nördlichen Gegenden der Vereinigten Freistaaten von Nordamerika vorzuziehen;
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 277. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/283&oldid=- (Version vom 8.8.2025)