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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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großen Ocean von dieser Wasserstraße trennt, soll von einem Kanal durchbrochen werden. Nach der Vollendung desselben wird der unermeßliche Verkehr zwischen West und Ost, zwischen Europa und Indien, China und Australien, zwischen den Emporien der östlichen Unionsstaaten und der amerikanischen Westküste, besonders Kalifornien, diesen Weg nehmen – die alten um das Cap Horn und das Vorgebirge der guten Hoffnung herum werden verlassen werden und der Welthandel eine Umgestaltung erfahren; Großstädte werden am Saume dieser neuen Straße für die Handelsflotten der Erde aufwachsen und wie durch den Schlag eines Zauberstabs die jetzt so stillen Ufer des Nicaragua mit den Bühnen des üppigsten Lebens sich bevölkern und Sitze des Reichthums sich erheben inmitten einer paradiesischen Natur.
Schon wird der San Juan, den bis zum Jahre 1852 nur die rohe, aus einem Baumstamm gezimmerte Pirogue des Indianers beschiffte, regelmäßig mit Dampfschiffen befahren, welche Reisende und Güter nach Granada am oberen Nicaraguasee bringen, von dem sie auf Saumthieren an einen der Häfen des stillen Meers gelangen. Der Verkehr zwischen San Francisco (Kalifornien) und den östlichen Hafen der Union (Neu-York etc.) ist auf dieser Route gegenwärtig ein geregelter geworden. Er wird häufig, wenn auch noch nicht so oft benutzt, als der ältere über den Isthmus zwischen Aspinwall-City (Chagres) und Panama, welchen eine Eisenbahn erleichtert und verkürzt. Bevor die Dampfschifffahrt auf dem San Juan und dem See aufkam, brauchte man zu einer Reise von der Mündung (der Stadt St. Juan) bis Granada 13 volle Tage; jetzt reichen anderthalb Tage aus. Es ist eine Entfernung von ungefähr 40 deutschen Meilen.
„Es gibt“, so erzählt Fröbel, „manchen hübschen und lieblichen Ort in der Welt, und manche Landschaft, die ein lebhaftes Interesse in Anspruch nimmt; – das wirklich Schöne, in seiner Art Harmonische, Vollendete, ist jedoch überall, und in allen Sphären des Lebens selten. Wo wir es sehen, macht es einen tiefen Eindruck auf die Seele; unser Wesen wird erweitert und gesteigert, und der Einfluß, den wir erleiden, ist ein bleibender. Die Natur erscheint uns in solchen Fällen wie ein Kunstwerk, so wie umgekehrt ein vollendetes Kunstwerk und den Eindruck einer geistvollen und gesteigerten Natur macht.
Ich werde nie einen Morgen vergessen, den ich auf dem San Juan erlebte. – Unser Pirogue hatte für die Nacht in der Mitte des Stromes Anker geworfen. Der Ort war einer der reichsten an wunderbarer Schönheit auf dieser ganzen Fahrt. Ein massenhafter, dicht zusammen gewachsener Baumschlag ruhte an beiden Ufern auf dem Wasserspiegel wie ein grüner, fast senkrechter Wall, und über demselben erhoben sich in mannichfaltigen Formen phantastische Baumgestalten, über welche noch der schlanke, schwankende Schaft einzelner Palmen mit zierlicher Federkrone emporstieg. Reiche Gehänge blühender Schlinggewächse, von denen es fast unmöglich war zu
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 279. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/285&oldid=- (Version vom 9.8.2025)