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Marsch ist von schnurgeraden Deichen und Kanälen durchzogen, ohne lebendige Brunnen; in der Geest bedarf es jener Anstalten nicht, denn dort rieseln die Bäche und Quellen. Die Straßen und Wege der Marsch sind bei trockenem Wetter vortrefflich; sobald aber anhaltender Regen eintritt, wird sie zu Roß und Wagen unpassirbar. Alle Wege lösen sich dann in einen so tiefen, klebrigen Schlamm auf, daß aller Verkehr von Ort zu Ort aufhören muß. Es ist dann nicht besser in diesen gesegneten Gegenden Norddeutschlands als in den russischen und ungarischen Marschen am Don, Dniepr und der Theiß, oder an der untern Donau, in Bessarabien und der Moldau.

Ganz Holstein und so weit die deutsche Zunge in Schleswig reicht, ist Marsch und Geest. Von der jütischen Grenze ab nordwärts nimmt aber die Bodenbeschaffenheit einen andern, mehr steppenartigen Charakter an. Damit tritt zugleich das dänische Volkselement überwiegend hervor.

Holstein, der Sitz uralter deutscher Kultur, hat die reichsten Marschen, und auf großen Strichen des Landes gibt der Ackerbau, bei der sorgfältigsten Bewirthschaftung, größere Erträgnisse als irgendwo in Europa. Zunächst der Flüsse bedecken unabsehbare Wiesenfluren mit dem fettesten Graswuchs das Land, auf denen die Heerden jener kolossalen Rinder weiden, welche auf dem londoner Markte der beständige Neid des englischen Züchters sind; und wie die Heerden, so sind auch die Wohnungen der Menschen weit und breit zerstreut, und jedes Gehöft gibt, inmitten der Fruchtfelder und Weiden gelegen, einen heitern und schönen Anblick. Die Wohnungen sind, um Trockenheit für dieselben zu erlangen, auf künstlich aufgeworfenen kleinen Hügeln erbaut (Wurten oder Warten genannt), so daß jeder Bauer aus seiner Stube schon die ganze Fläche seines Besitzes übersehen kann. Das angelsächsische Sprüchwort: my house is my castle (mein Haus ist meine Burg) wird im Lande der Friesen und Angeln buchstäblich wahr. Die Häuser ragen von ihren Hügeln wie Burgen hervor und man sieht sie in der Fläche oft auf die Entfernung von mehren Stunden.

An den Böschungen dieser Wurten wird alles gebaut, was der Friese und Holste vor der Nässe und Ueberschwemmung bewahren muß. Sie sind sein Garten. Hier und da steht auch ein schattender Obststamm auf dem trockenen Boden mit Bank und Tisch unter seinem Laubdach. Sonst sieht man weder Busch noch Baum. Die Häuser sind einstöckig, mit hohen Ziegeldächern; und über jeder Hausthür ist ein, die Hausbewohner vor den Sonnenstrahlen schützender Vorsprung oder Bogen, blendend weiß angestrichen, schon von weitem einladend und gastlich. In jedem Thürpfosten sind starte Haken eingeschlagen und eiserne Ringe, um Pferde daran zu binden; denn die Marschbewohner machen den Nachbarn ihre Besuche am liebsten zu Pferde. Selbst die Weiber reiten; – der Mann nimmt sie hinter sich auf den Gaul, wie der amerikanische Ansiedler im fernen Westen. Alle Marschländereien sind mit tiefen Gräben umzogen, um durch Kanäle und Schleusen das überflüssige