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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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sein Stärker- und Siegerrecht, als er der Universität an’s Leben griff und die Männer, welche ihren Ruf begründet hatten und der Wissenschaft Stolz waren, von den Lehrstühlen vertrieb oder sie verbannte. Nach dem Verlust ihrer besten Lehrer ist Kiel kaum noch von anderthalbhundert Studirenden besucht, und in dieser Zeit, wo die Gewalt Alles wagen darf, könnte es nicht verwundern, wenn man die Hochschule ganz aufhöbe, um damit den Lebensnerv der deutschen Bildung in den Herzogthümern zu zerhauen.
Die Stadt ist schön gebaut, und die reizende Umgebung, der gebildete, großstädtische Ton, der hier herrscht, das durch Handel und Gewerbe, Reichthum und Unternehmungsgeist erregte rührige Leben und die Leichtigkeit der Kommunikationen nach allen Richtungen durch Eisenbahnen und Dampfschifffahrt, machten Kiel stets zu einem Sammelplatz des holsteinischen Adels und zum Mittelpunkt der höheren Gesellschaft, des Vergnügens und des feineren Lebensgenusses. Der Herzog von Holstein-Glücksburg, der, reich begütert, sich an der Stelle des alten abgebrannten Schlosses in Kiel eine prachtvolle Fürstenburg erbaute, gab in diesen Kreisen den Ton an und wurde die Spitze der deutschen Opposition gegen die Dänisirung des Landes. Auch das ist nun anders. Die herzogliche Familie ist nicht viel besser daran, als die Andern, auf welchen die volle Wucht des Siegerarmes lastet.
Schleswig, die Hauptstadt des Herzogthums, gruppirt in malerischer Weise seine Häusermassen um das Ende der Schley, einer schmalen Bucht der Ostsee, welche sich, von Hügeln umkränzt, tief in das fruchtbare Land hinein windet. Die ganze Stadt bildet eigentlich nur eine über eine Stunde lange Straße, welche die Bucht umzieht und deren dem Meere zugekehrte Häuserfronten schöne Aussichten beherrschen. Die Stadt hatte vor der Revolution 14,000 Einwohner; ihre Zahl ist seitdem unter dem schweren Druck der Dänen im Abnehmen. Handel und Verkehr können dem Ort auch nicht aufhelfen; denn die Schley hat nur für kleine Küstenfahrzeuge hinlängliche Tiefe und legt dem Großhandel unübersteigliche Hindernisse in den Weg. Die ehemalige Blüthe Schleswigs (das im Mittelalter über 40,000 Einwohner hatte) welkte nach der Plünderung des Hafens im Jahre 1155, und Pest und Brand brachten später die Stadt bis auf 6000 Einwohner herab. Jetzt ist Schleswig eine Beamtenstadt geworden, in der die höchsten Behörden der Provinzialverwaltung versammelt sind. Darum ist sie auch von der Gunst oder Ungunst der Regierung abhängiger als andere Orte.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 291. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/297&oldid=- (Version vom 9.8.2025)