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DCLX. Elberfeld.




Unter Tiberius war es ein todeswürdiges Verbrechen, Brutus geliebt zu haben. Caligula verdammte Die zum Tode, welche ruchlos genug waren, vor dem Bilde des Kaisers das Haupt zu bedecken. Als Nero das Verbrechen der verletzten Majestät erfunden hatte, wagte Niemand zu sagen, daß es eine mildere Strafe verdienen könnte, als Kerkerhaft in Eisen oder den Tod, ohne sich selbst eines politischen Vergehens schuldig zu machen. Als der christliche Fanatismus das Verbrechen der beleidigten Majestät Gottes erdichtete und sich aufwarf zum Rächer der Ehre der Allmacht – da bot man ihr das Blut des Beleidigers als Sühne dar, und indem man also den Gott der Liebe und Barmherzigkeit auf gleiche Stufe mit den Rasenden stellte, die ihm seine Kinder, die Menschen, opferten, so glaubte der tolle Wahn ihn zu ehren. Als Sulla gesiegt hatte, sagte er dem römischen Volke: – „Alle, welche gegen mich die Waffen getragen haben, verdienen den Tod;“ und das Blut der Ueberwundenen und wehrlosen Gegner rann in Strömen. – Griechenland aber war nicht glücklicher, als zu der Zeit, da in seinen Republiken die Todesstrafe unbekannt war. Rom war am ruhmreichsten, als die Lex Portia die von den Königen und den Decemvirn erlassenen strengen Strafgesetze aufhob, und nie ist’s unglücklicher und elender gewesen, denn in der Zeit, als die Tyrannen durch einen mit Blut geschriebenen Strafkodex die unschuldigsten Handlungen zu Verbrechen stempelten, als die Polizei in allen Ecken und Winkeln stand und in alle Häuser und Familien drang, um auf Sünder gegen Staat und Religion zu fahnden.

Wenn der Bürger aufgehört hat, in der Gesetzgebung eine Quelle seines Glücks und seiner Sicherheit zu erblicken; wenn er in seinem Strafgesetzbuch etwas anderes findet, als Gerechtigkeit und Vernunft, – dann verwirren sich in dem Herzen der Bürger die Ideen von Recht und Unrecht, und es keimen im Schooße der Gesellschaft wilde Leidenschaften, welche neue Kathegorien von Verbrechen erzeugen. Wenn der Mensch daran gewöhnt wird, Todesurtheile und die härtesten Kerkerstrafen von der Staatsgewalt täglich über Handlungen verhängt zu sehen, die in den Augen der Menge vielleicht nicht einmal als Verbrechen betrachtet werden: – dann hört der Mensch am Ende