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auf, für den Menschen ein heiliger Gegenstand zu seyn; das sittliche Urtheil wird stumpf, er sinkt in seiner eigenen Vorstellung immer tiefer und er hält sich selbst für ein geringeres Wesen, wenn die Gewalt so leicht mit dem Menschenglück und Menschenleben spielt. Die Vorstellung des Mordes verliert ihre Schrecken, wenn er täglich von vollzogenen Bluturtheilen liest und hört, und die Scheu vor dem Verbrechen schwächt sich, sobald er gewahrt, daß der Mächtige unerbittlich ein Vergehen mit einer That züchtigt, deren Grausamkeit sein Herz verabscheut. Die öffentliche Moral wird allemal milde Strafgesetze mit ihrer ganzen Macht unterstützen; ein grausamer Strafkodex aber hat das öffentliche Urtheil wider sich und er kann ein ganzes Volk verwildern.

Es ist in der Natur der Dinge begründet, daß die Vernunft sich mühsam Bahn bricht und langsam vorschreitet in den Begriffen und Vorstellungen der Massen. Der Unvernunft hingegen sind alle Wege und Köpfe offen. Darum finden auch die Vorspiegelungen politischer Gauner und Schwindler, gleichviel auf welcher Seite sie stehen, so leicht Glauben und Anhang. Wäre die Vernunft in den Massen mächtiger, so würden die Apostel des Kommunismus z. B. so gewiß tauben Ohren predigen, wie die Wortführer des Despotismus, und alle Seiltänzerkünste der Einen wie der Andern waren vergebliche Produktionen: sie fänden Spott, keine Bewunderung. Bevor aber vernünftige Begriffe über Staat und Gesellschaft, über gegenseitige Pflichten u. Rechte, über Das, was durch den Staat für das Wohl Aller erreicht werden kann, allgemeiner geworden sind und sich befestigt haben, sind auch die Massen nicht fähig, das volle Maß der bürgerlichen Freiheit zu ertragen, und so lange ist es Thorheit, es zu geben. Wohin das verfrühete Greifen nach der Himmelsgabe führt, sehen wir an allen Völkern, welche, eben so unfähig, das Kleinod der Freiheit voll zu würdigen, als feig und ungeschickt, es zu vertheidigen, ihre Ketten brachen, als sich dazu die Gelegenheit bot. Die Erklärung der Menschenrechte, die Proklamirung der Republik, die Annahme einer freien Verfassung – sind bei solchen Völkern Meteore: sie leuchten in der Nacht und vergehen. Sie sind nicht das Sonnenlicht, welches dauernd erhellt, belebt und erwärmt, und wenn sie, wie Blitze, die Throne niederschmettern, so kann doch die Selbstregierung, welche aufgerichtet wird an ihrer Stelle, nicht wurzeln, Blüthen treiben und gute Früchte zeitigen. Es ist leichter, die bürgerliche Freiheit auf das Papier zu schreiben, oder sie in Erz zu graben, als in den Herzen und Köpfen ihre heiligen Züge wieder herzustellen, welche die Unvernunft, die Dummheit, die Selbstsucht, die Rohheit längst verwischt haben. Ist die Gleichheit der Rechte in der Brust der Menschen nicht zu finden, kann sie dann in einer Verfassung zur Wahrheit werden? Wenn die Selbstsucht die Gesellschaft beherrscht, wird dann der Despotismus mit der Alleinherrschaft verschwinden? Wird er nicht unter der Vielherrschaft sein Haupt noch frecher und verletzender erheben und wird er dann nicht die Schwachheit, die Tugend, die Unschuld unterdrücken im Namen der Republik und im Namen der Freiheit selber? Wer schützt die himmlische Jungfrau vor der Profanation in den unreinen Händen, die, von einer rohen, verwilderten Menge zur Gewalt