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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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erhoben, sich nur dadurch eine Zeit lang bei derselben erhalten können, daß sie die Gesellschaft verwirren, die zu ordnen sie ohne Geschick sind, daß sie niederreißen, weil sie nicht bauen können, daß sie, untüchtig zum Regieren, eine Schreckensherrschaft üben? Wenn die Völker über den natürlichen Gang der Revolutionen nachdächten, würden sie sich seltener herbei lassen, Denen zu folgen, welche dazu anspornen, und sie würden der Verlockung und der Gelegenheit dazu öfterer widerstehen. Sie würden für die entarteten Schüler der Fourier, St. Simon und Cabet nicht Zuchthäuser, sondern Narrenhäuser bauen und die Spitzbubenlehre: Mord und Raub seien Tugenden und das Eigenthum Diebstahl in’s Schlaraffenland verweisen. Jeder Arme würde dann wissen, daß solche Schwindeleien des verbrannten Gehirns das Elend, das sie erleichtern sollen, nur erschweren, und die Arbeiterklassen würden erkennen, daß eine Gesetzgebung, wie sie die blut- und wuthschnaubenden Manifeste aus London und Paris zur Beglückung der Gesellschaft erwarten lassen, die Reichen arm, jedoch nimmermehr die Armen reich, gewiß aber die Arbeiter brodlos machen würde. Jene Gaukler und Betrüger, welche dem Proletariat die Freiheit in der Kommunisten-Republik als eine Henne vorspiegeln, die ihnen alle Tage goldne Eier legt, würden vernichtet werden noch mehr durch ihre eigene Lächerlichkeit, als durch die allgemeine Verachtung. Die Freiheit würden die Völker auf ganz anderem Wege suchen. Der Bürger wurde die Reformen bei sich selbst beginnen; er würde ernst und beharrlich zuerst an dem Sturze seiner eigenen Tyrannen, seiner Selbstsucht, Dummheit und Unwissenheit, arbeiten, er würde die Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in seinem Privatleben üben und in seinem Verkehr mit Andern zur Geltung bringen.
Alle Fürsten Europa’s sind jetzt einverstanden, die Völker zu überwachen und sie mit den Mitteln, über die ihre Autorität verfügt, am gewaltsamen Zerbrechen ihrer Bande zu hindern. Sie täuschen sich nicht mehr über Das, was bei einer neuen Revolution auf dem Spiel steht. Seitdem sie die Springfedern derselben niederhalten mit vereinter Anstrengung, wissen sie, daß sie es thun für ihre gemeinsame Erhaltung und für die Erhaltung der Fundamente und Principien, auf welchen die Gesellschaft ruht. Sie wissen, daß eine siegreiche neue Revolution tabula rasa machen würde; der ganze Bau der modernen Civilisation würde aus den Fugen gehen, und auf den Trümmern würde die Barbarei ihren Thron erheben, wie sie einst ihren Stuhl gesetzt hat auf den Schutt des Cäsarenthums und ausgerottet das Leben und die Gesittung des alten Roms bis auf die Zeichen, welche sie nicht zerstören konnte. Und wer die Geister kennt, welche ihren Freibrief von der nächsten Revolution erwarten, kann der sagen, der Fürsten Furcht sey unbegründet und sie sähen Gespenster?
Nein, es sind etwas mehr als wesenlose Schatten, und wenn sie sich täuschen, so täuschen sie sich nicht in Bezug auf das Uebel, sondern auf das Heilmittel. Mit Entschlossenheit haben sie zur Strenge gegriffen, als glaubten sie, daß der Schrecken die Achtung vor der Autorität und die Ehrfurcht vor ihren Trägern neu beleben und kräftigen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 299. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/305&oldid=- (Version vom 9.8.2025)