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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Stunden gehört zu Elberfeld und es trägt nur die Namen verschiedener Städte und Orte; denn sie hängen alle an einander wie Westminster, Southwark, Islington und die 30 oder 40 anderen Städte und Flecken, die jetzt der Name London zusammenfaßt. Das eigentliche Elberfeld zählt 50,000 Einwohner; der ganze Ortskomplex des Wupperthals aber, der unmittelbar mit jenem verbunden ist, über das Doppelte. Man berechnet, daß in einem Umkreise von 4 deutschen Meilen um Elberfeld nicht weniger als 120 Fabrikorte liegen, die mehr oder weniger mit Elberfeld ein gemeinschaftliches industrielles Daseyn haben, oder doch in dieser Stadt die Kraft finden, welche ihr eignes Leben bedingt. –
Nur wer die großen Fabrikstädte Englands und Frankreichs gesehen hat, wer in Manchester war, oder in Lyon oder Rouen, kann sich einen angemessenen Begriff von dem Bilde der menschlichen Thätigkeit und des Fleißes machen, das ihm im Wupperthale begegnet. Fabrik reiht sich an Fabrik, Weberei an Weberei, Spinnerei an Spinnerei, und die hunderte von umgehenden Radwerken und die Thurm-Essen, welche schwarze Rauchwolken ausstoßen, verrathen die großen mechanischen Kräfte, welche die Menschenhand in diesem Schaffen der mannichfaltigsten Art unterstützen. Die Elberfelder Fabrikation ist nicht einseitig. Sie ist in dieser Hinsicht von der englischer Fabrikorte unterschieden. Sie umfaßt eine Menge Industriezweige und Erzeugnisse und verarbeitet zu gleicher Zeit mehre der wichtigsten Rohstoffe zur Bekleidung des Menschen. Oben an steht die Baumwolle, ihr folgt die Seide, beide im Jahreswerth von 6 bis 8 Millionen Thaler. Die Erzeugung dieser Rohstoffe in allen Theilen der Erde gibt wohl an hunderttausend bedürftigen Menschen Arbeit und Brod, und nicht weniger beschäftigt der Transport der fertigen Waaren und ihr Vertrieb an die Konsumenten, welche der nie rastende Spekulationsgeist der Elberfelder in allen Zonen und auf allen Märkten der Welt aufsucht und findet. Der betrachtende Geist beugt sich in Achtung vor den Männern, die durch ihre Betriebsamkeit Großes, Nützliches und Wohlthätiges für ihre Brüder schaffen und wirken, und die Achtung steigert sich, wenn man in Erwägung zieht, mit wie vielen persönlichen Opfern die Meisten ihr unverdrossenes Wirken erkaufen müssen, oder wenn man die Entbehrungen kennt, welche sich an dasselbe knüpfen. Wer zählt die in Sorge durchwachten Nächte, die in Kummer über mißlungene Unternehmungen und erlittene Verluste, über widrige oder bedrohliche Ereignisse und Konjunkturen, welche kein Geschick und keine Anstrengung meistern kann, durcharbeiteten Tage; wer den Jammer, den der humane Fabrikherr empfindet, wenn er, trotz allen den Opfern, die er bringt, seine Arbeiter doch nicht völlig beschäftigen kann, oder wenn er durch den schlechten Gang der Geschäfte gezwungen ist, den Lohn zu schmälern wider seinen Willen; wer mißt ihm die Kränkungen nach, denen alle Tage sein Herz durch die Undankbarkeit, Rohheit oder Untreue seiner Arbeiter ausgesetzt ist, welche den Mann, der ihnen Erwerb schafft, vielleicht neiden um Dinge willen, auf die er selbst keinen Werth legt und die er gern um einen geringen Theil der Sorglosigkeit tauschen möchte, welche vielen der geringsten
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 301. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/307&oldid=- (Version vom 9.8.2025)