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Völkersturm, welcher das Kaiserreich niederwarf, machte auch dieses Riesenwerk der Befestigungskunst von der Erde verschwinden. Es wird wieder erstehen, wenn das Imperium aufersteht. Wunderlich dreht sich das Rad der Geschicke im Strome der Zeit!

Jetzt trat das altersgraue Basel in den Vorgrund. Königlich lag es da, gefärbt vom letzten Abendroth, mit seiner ehrwürdigen Kathedrale und seinen zahlreichen, schlanken Thürmen. Jenseits, fern in Süd und Ost, schimmerten rosig im letzten Strahl des Tags die Gipfel der Alpen; links aber, tief unten, glänzte ruhig und geheimnisvoll der Rhein. Noch prangt mit frischen Farben das schöne Bild in meiner Erinnerung.

Der Mond, fast voll, stand hoch, als die Diligence vor dem Posthause hielt. Auf meine Frage: „wann geht der Wagen nach Schaffhausen?“ wurde mir der Bescheid: „In 3 Stunden!“ – „So führ’ mich“, – sagte ich zu dem Jungen, welcher mich in einen Gasthof bringen wollte, – „hinaus nach St. Jakob!“ „Um Verzeihung, bester Herr! daß ist nur eine Kneipe!“ – „Nicht dorthin; zur Kapelle auf dem Kirchhof will ich!“ fuhr ich den Kleinen an; „weißt Du den Weg nicht?“ – „Verzeihen’s, Herr!“ sagte der Junge und trollte voran. – Zwischen Häusern und Gärten, Rebstöcken und auf schlängelnden Wegen, an weiß schimmernden Villen und an altersgrauen Gnadenbildern vorüber geleitete mich der Führer und ich folgte; aber mein Geist war bei der großen vergangenen Zeit. – Da warf der Mond seinen breiten, fast brennenden Spiegel auf die nächste Landschaft: – ein Kirchlein, ein Siechhaus, einzelne Hütten, drum und dran umhägt mit Gemüsegärtchen: es war ein Bild der Ruhe, der Stille, der Einfalt und der Zufriedenheit. Ich blieb stehen. „Das ist St. Jakob“, sagte der Junge.

„St. Jakob! Also stehe ich vor den Thermopylen der Schweiz!“ rief ich in heftiger Erregung. Schauer der Ehrfurcht durchrieselten meine Knochen, ich stand auf den Gräbern von Helden. Meine Knie zitterten. Da kam mir der Gedanke: das helle stechende Mondlicht erwecke die Todten. – Mir war’s, als hörte ich Getöse in der Tiefe und in der Höhe, als sahe ich bewaffnete Männer ringen und kämpfen mit einander, als kämen die Erschlagenen dahergeritten auf Geisterrossen durch die Lüfte, als hörte ich das Röcheln der Sterbenden und das Wimmern der Verwundeten. Meine Seele glühte, mein Athem stockte, mein Herz pochte laut, meine Pulse fieberten, meine Phantasie hauchte der Scenerie ihr eigenes Leben ein, und doch war sie so still, – ein wahres Friedhofbild der ewigen Ruhe. Was doch der Mensch für Zauberkünste treibt mit seinen Vorstellungen! Als Jüngling ist’s mir oft begegnet und noch manchmal läuft die Phantasie mit dem alten Mann davon. Doch genug von den Träumen und Schäumen. Setzt Euch zu mir und laßt Euch wiedererzählen von den Thaten bei St. Jakob.