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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Im Jahre des Herrn 1444 hatten sich Oesterreich und Frankreich verbündet, der Eidgenossen Freiheit auszulöschen und das Land zu theilen. Ihre Heere rückten an die Grenzen, und blankes Gold und schlaue Ueberredungskunst stifteten Unfrieden im Herzen der Eidgenossenschaft. Da war der Gefahr mehr, als der Hoffnung; aber Muth und Gottvertrauen verließen darum die Schweizer doch nicht. Die Basler, die der Einfall der feindlichen Schaaren zunächst bedrohte, schickten ihre junge Mannschaft hinaus auf die Landwehr, welche das königliche Frankreich von der freien Schweiz schied. Die ältern von Denen, welche Waffen führten, blieben zur Hut der Stadt daheim. Ihrer 600 waren es, die hinauszogen; wenige gegen viele; denn die Zahl des unter der Führung des Dauphins von Frankreich anrückenden Heers war an 70,000. Lange war eine so große Kriegsmacht nicht gesehen worden.
Basel schickte Boten auf Boten zu den Bundesgenossen um Zuzug. Diese spotteten aber der Furcht der Basler und meinten, die Feinde würden’s sobald nicht wagen. Da fuhr der basler Bote – Seevogel hieß er – auf und sagte: meine Kundschaft ist richtig, der Feind überfällt uns: aber ihr werdet sehen, wo der Muth ist. Bleiben die Meinen ohne Hülfe, so werden sie sich doch schlagen.
Als nun den Schweizern von Liestal neue Kunde wurde, daß der Feind schon im Münchensteiner Felde liege, da entbrannte im Lager der Eidgenossen, welche zu der Zeit Zürich berannten, um es für seine Widerspenstigkeit zu züchtigen, unaufhaltsam die Gier nach Waffenthat. Die Hauptleute aber wollten die Belagerung nicht aufgeben und riethen, den Einfall abzuwarten. Darüber erhob der gemeine Mann misbilligendes Geschrei: „der Schweizer warte nicht erst ab, daß der Feind angreife. Es sey eine Schmach, die Basler allein zu lassen – sie wollten den Tod oder den Sieg mit ihnen theilen“. Also machte die Stimme des Geringen die Führer wankend. Diese willigten ein, daß 3 Fähnlein, zusammen 900, sofort aus dem eidgenössischen Lager zu den Baslern stießen, die übrige Mannschaft aber die Züricher zwänge und züchtige; denn sie meinten nicht mit Unrecht, der innere Feind sey der gefährlichere. Also ward die eidgenössische Schaar an der basler Grenze auf 1500 verstärkt.
Früh des Morgens vor Tagesanbruch, am 26. Tage des Augustmonats Anno 1444, stellte sich Frankreichs und Oesterreichs Heer – 60,000 Streiter, darunter die Blüthe des Adels – in Schlachtordnung auf. Die Schweizer verrichteten ihr Morgengebet zum Lenker der Schlachten, ordneten hierauf ihre Fähnlein und erwarteten den Feind festen Fußes. Den Angriff eröffneten die Armagnaken. Um acht Uhr waren sie mit den Schweizern handgemein. Es war das erste Mal, das Eidgenossen und Franzosen mit einander kämpften. Der Marschall Graf Dammertin führte diese; den Schweizern standen Anton Rüß, Heinrich Matter und Seevogel, jener Bote von Basel, voran. Furchtbar war der Feinde Anprall; aber der Widerstand war noch gewaltiger, und nach gelungener Abwehr griffen
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 307. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/313&oldid=- (Version vom 10.8.2025)