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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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die Schweizer nun selbst an. Keine Tapferkeit, keine Kriegskunst vermochte Etwas gegen der Eidgenossen Ungestüm, sie schlugen die Franzosen von Stand zu Stand und bedeckten auf eine halbe Stunde Wegs das Schlachtfeld mit Leichen. So viel Tausend, als ihrer Hundert waren, zeigten vor den Schweizer Streitäxten den Rücken. Der Staub der Flucht verdunkelte, was jenseits vorging; die Eidgenossen, prangend mit erbeuteten Bannern, Pferden, vielen Wagen mit Schießbedarf, Geld und kostbarem Feldgeräthe, siegestrunken, außer sich, waren unaufhaltbar und wollten das feindliche Lager erstürmen, zu dessen Seite der Dauphin von Frankreich selbst in Schlachtordnung stand mit dem Hauptheer von 50,000 Mann. Als der Fürst die Erfolge der Eidgenossen sah und von ihrem verwegenen Vorsatz Kunde erhielt, sagte er, auf seine ungeheure Uebermacht pochend: „die Bauern will der Herr in’s Verderben locken, denn er macht sie übermüthig“. Darauf schickte er einen Heerhaufen von 8000 nach dem bei Basel liegenden Dorfe Gundoldingen, damit sie den vorgedrungenen Schweizern den Weg nach der Stadt verlegen sollten. Als dies die Basler von den Thürmen sahen und die List merkten, traten die obersten Bürger zu einem Kriegsrath zusammen und sie beschlossen, allesammt, ihrer bei 3000, auszuziehen, den Feinden entgegen, um den Eidgenossen den Rücken frei zu machen. Die Bewachung der Mauern sollten die Frauen übernehmen. Diese willigten auch ein mit freudigem Muth. Doch sobald der Ausmarsch der Basler von den Franzosen bemerkt wurde, entsendeten sie einen starken Heerhaufen in solcher Richtung, daß jene ebenfalls abgeschnitten werden möchten, und zugleich kam ein anderer mit Sturmleitern heran, die Mauern zu ersteigen. Mit den schwachen Frauenhänden gedachten sie leichtes Spiel zu haben. Da wendeten die Basler wieder um, um die größere Gefahr abzuwehren. Sie zogen in die Stadt zurück und überließen die 1500 Eidgenossen draußen, die von der Stadt abgeschnitten waren, ihrem Schicksal. Unverzagt vertraute die verlassene Schaar dennoch ihrem Muth und versuchte das Unmögliche. Sie wadete durch die reißende Birs, welche die französische Fronte deckte, und drängte jenseits hinan. Auf der Höhe hatte die ganze französische Artillerie ihr Geschütz aufgestellt, über 100 Feuerschlünde. Als nun die Schweizer heranrückten, brannten sie auf einmal los. Viele der Tapfern warfen die Kugeln nieder, und nun rasselten 8000 gepanzerte Reiter, die Garden des Dauphins, gegen die Schweizer los. Ihre Reihen wurden nicht von der größern Tapferkeit der Menschen, sondern von der größern Wucht der Pferde durchbrochen. Eine Menge wurden niedergetreten, die übrigen wendeten sich zum Rückzug nach der Stadt; doch nicht, ohne daß sie noch mehrmals suchten Stand zu halten. Immer von Neuem ordneten die Führer ihre schwindenden Fähnlein; aber durch die zahllosen Massen der Feinde wurden die Schaaren endlich dergestalt getrennt, daß sie in kleinen Haufen von 10 bis 20 Mann, umringt von 1000 und mehr Feinden, kämpfen mußten. Aller Aussicht auf menschliche Hülfe beraubt, ermüdet vom Siege und erschöpft vom beständigen Kampfe, des Todes gewiß, entschlossen, unbezwungen, suchte endlich der Rest der Eidgenossen nur noch eine Wahlstatt für den letzten,
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 308. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/314&oldid=- (Version vom 10.8.2025)