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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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herrlichen Todeskampf. 500 an der Zahl sammelten sie sich im Garten des Siechenhauses bei St. Jakob, um da für des Vaterlandes und der Freiheit Ehre als Helden zu sterben.
Der Dauphin, durch so beispiellose Tapferkeit erschüttert, wünschte die Männer zu retten. Er schlug seinen Feldherren vor, den Schweizern, wenn sie die Waffen niederlegen würden, die Erhaltung des Lebens zu zusichern. Aber der Adel, der vielen erschlagenen Ritter eingedenk, die auf der Wahlstatt lagen, verhinderte es. Er verlangte, daß man das Leben Derer nicht schone, die so Vielen Trauer gebracht. Da stand der Dauphin von seinem menschlichen Vorhaben ab.
Als in der eingeschlossenen Stadt die verzweifelte Lage des Häufleins ruchbar wurde, erhob sich ein Wehklagen und Zetergeschrei der Weiber und Kinder, welches das Waffengetöse übertäubte. Aber für Rettung wußte Keines Rath. Da sammelte sich ein Haufe alter Männer auf dem Markte und sie fielen auf die Knie und erflehten von Gott, daß, wenn es in seinem Rathe nicht anders sey, als daß die Streiter draußen auf St. Jakob der Schweizerischen Freiheit ein Opfer fallen müßten, – Er ihnen Beistand leihe mit seiner Kraft und Herrlichkeit, auf daß ihr letzter Kampf der Eidgenossen würdig sey und Keiner sich mit Furcht oder Schwäche beflecke. – Helden ergeben sich unter Gott; gewöhnliche Menschen meinen, durch Niederträchtigkeit dem Schicksal zu entweichen.
Um sich selbst sorgenfrei, und Alle zum Tod entschlossen, schlagen die bei St. Jakob den dreimal erneuerten Sturm von einem 60mal stärkern Feind dreimal ab. Zweimal fielen sie heraus mit übermenschlicher Anstrengung, Verderben und Schrecken verbreitend, so daß der Feind erstaunensvoll wich, bis, entflammt zu erneuerter Wuth, der Angriff von Neuem versucht wurde. Als die Mauern des Gartens gebrochen waren durch die Kugeln der Feldschlangen, da schichteten die Eidgenossen die Leiber der Erschlagenen zu einem Wall und schleuderten von oben herab ihre Streitkolben auf die Pickelhauben der andrängenden Feinde. Als der Thurm des Siechhauses von den Kugeln auch eingestürzt war, deckten die Eidgenossen das Dach ab, um auf demselben einen letzten Halt zu suchen; aber die Franzosen legten Feuer unter die Treppe und begruben alle, die oben standen, in den Flammen. Als nun kein Fußbreit Boden auf Gottes Erde mehr da war, auf dem ein Schweizer stehen konnte, zogen sich ihre Letzten, alle verwundet und kaum 90 an der Zahl, in den Keller des Siechhauses zurück. Ein Theil wurde durch das einstürzende Gewölbe erschlagen; die andern vertheidigten sich an den Eingängen fort. Gefühllos für den Schmerz der Wunden, für die Schwere der an ihnen hängenden Pfeile, lange selbst die Entkräftung der Verblutung besiegend – schossen sie, stachen sie, schlugen sie, rechts, links, mit Pfeilen und Lanzenspitzen aus ihren eigenen Wunden, der mit nur noch einer Hand, jener nur noch auf die Knie, der auf den Arm gestützt, also, daß keiner ohne die Gesellschaft fünf oder sechs todt herumliegender Feinde sich dem Tod unterwarf – so daß nach zehnstündigem
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 309. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/315&oldid=- (Version vom 10.8.2025)