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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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und begeistern konnte, und den wahren und guten Geschmack zurückzuführen, welcher in der barbarischen Periode von Ludwig XIV. bis zum Kaiserreiche des Korsen untergegangen war. Auf dem Boden der Kunst sproßte der schönste und dauerndste Ruhm der Griechen, und was uns von der perikleischen Zeit übrig geblieben ist, macht den hellenischen Nachruhm beständig wachsen. König Ludwig, indem er durch die Kunst auf die Volksbildung zu wirken trachtete, hat sich den großen Fürsten des Alterthums an die Seite gestellt. Manche Monarchen seiner Zeit huldigen dem Grundsatz, daß barbarische Völker leichter zu regieren seyen, als gebildete; sie hassen darum die Kultur und ihre Zeichen, und jedes Licht, das seine Strahlen in die Kreise des Volks wirft, löschen sie aus. Es ist Ludwig anzurechnen, daß er die Kunst nicht bloß um ihrer selbst willen, sondern auch um ihrer höchsten und edelsten Zwecke willen liebte, förderte und schützte. Er berief sie zur Geschichtschreiberin der germanischen Nation, um ihren Ruhm in unsterblichen Monumenten zu verherrlichen und stellte ihre Tafeln inmitten des Volkes auf, es zu erheben, es stolz zu machen und große Gedanken zu wecken. Dort stehen sie, die Walhalla, die Tempel des Ruhms, die Siegesthore u. s. w. als unvergängliche Tafeln des Volks-Gedächtnisses, und vor ihnen sitzt der Genius der Zukunft, zu ändern oder hinzuzuthun, wie er einst in Hellas gethan hat an den Gesängen Homers. Wenn die Nachwelt auch in jeder andern Beziehung ein tadelndes Urtheil über den Fürsten fällen würde, in dieser einen kann sie ihm die Anerkennung der Größe nicht versagen, und als Mäcen in der edelsten Bedeutung des Worts wird sie seine Büste mit leichtgeschlungenen Ehrenkränzen beständig schmücken. Es ist gewiß, daß Das, was König Ludwig für Deutschland durch seine Kunst-Unternehmungen, durch die Idee wie durch die Ausführung derselben, Großes und Gutes gewirkt hat, unsere Enkel besser und gerechter würdigen werden, als wir selber. –
Allerdings hätte Ludwig nicht vermocht, so Herrliches auszuführen, waren die großen Talente nicht da gewesen, deren vereintes Zusammenwirken jenes ermöglichte. Ihnen gebührt an des Königs Ruhm der volle Theil. Für die Wiederbelebung der Architektur des klassischen Alterthums in größter Reinheit und Vollkommenheit war dem Könige ein Klenze nöthig – ein Mann, der, frei von der gewöhnlichen Berufsbeschränktheit der Architekten, bei all’ seinen Monumentalbauten, übereinstimmend mit des Königs Auffassung, das möglichst vollständige Zusammenwirken der drei bildenden Künste vor Augen hatte. Dem Ernst und der Sorgfalt, mit welcher er die Ausführung der großen Aufgaben des Königs Ludwig überwacht hat, haben diese Werke auch den hohen Grad von technischer Vollkommenheit zu danken, der sie auszeichnet. – Der Gegensatz von Klenze war Gärtner – und Ludwig verwendete diesen berühmten Architekten für das Wiedererblühen der mittelalterlichen Style und zur Ausführung der grandiosen Konceptionen, die jenes erzweckten. Die Ludwigskirche ist der glänzendste Zeuge dieses Strebens, und die Malerei, in der großartigen Auffassung eines Cornelius, gab hier der Architektur
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 316. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/322&oldid=- (Version vom 10.8.2025)