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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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größte aller Völker niemals zur Nachahmung sich herablies. Alles war bei den Griechen ihr eigen und ging aus der freiesten Selbstentwickelung hervor: Religion, Kunst, Wissenschaft, Staat und Gesellschaft, das Leben selbst und der Zweck des Lebens. Alle Kräfte, Fähigkeiten und Empfänglichkeiten der Seele, alle Glieder, Sinne und Organe des Körpers, alle sinnlichen und geistigen Begehren und Wunsche: – sie alle strebten nur nach dem Einen: Edle Menschenbildung.
Damit ist nicht gemeint, daß jedes Volk von vorn anfangen und sich auf Das beschränken müsse, was es selbst erforscht und erfunden. Wäre das, so wäre es mit Kultur und Fortschritt übel bestellt. Selbst die Griechen begangen ihren Lauf auf der Bahn der Gesittung von dem Punkte, den die Aegyptier schon erreicht hatten, und wenn nachher die Römer und alle spätern Nationen bei den Griechen in die Schule gingen, so ist dies kein Nachtheil für die Fortbildung des Geschlechts gewesen. Jeder Kulturzuwachs, den ein Volk erwirbt, soll ein Gemeingut seyn für die ganze menschliche Gesellschaft, und das Gut vermehrt sich in dem Verhältnisse, als die Zahl Derer großer wird, welche es gebrauchen. Die Gesittung soll keinem Volke, keinem Lande und keinem Stande ausschließlich leuchten, und Jeder, der Anspruch machen will auf das Prädikat human: – soll bestrebt seyn, das Licht weiter zu tragen und das heilige Feuer in immer größern Kreisen zu verbreiten. Es ist eine Mode der Zeit, von der „innern Mission“ zu reden. Die wahre ist die, welche ich meine. Sie trägt kein Priestergewand und ihre Kerzen haben die kirchliche Weihe nicht. Jeder aber kann Priester seyn und Jeder ein Missionair; er kann es seyn in seinem Hause, bei seinen Freunden, in jedem Dorfe, in jeder Stadt, in jedem Lande; nah und fern, überall, wo Menschen wohnen. Diese „innere Mission“ ward geübt zu allen Zeiten, und jede Stunde ist für sie die rechte. Sie hat auch Oberpriester gehabt von Anbeginn und wird sie haben in aller Zukunft. Wer sie waren? Die Edelsten und Besten: – Moses, Confuz, Homer, Solon, Lykurg, Sokrates, Plato, Epaminondas, Numa, Pythagoras, Paulus, Bonifaz, Baco, Raphael, Huß, Luther, Keppler, Newton, Shakespeare, Montesquieu, Rousseau, Franklin, Washington, Schiller und viele Andere ihres Gleichen. Der größte aber heißt – Christus. Und diese Genossenschaft ist nicht eine ausschließliche oder geschlossene; sie öffnet ihren Kreis allen Menschen; sie fordert keine Gelübde von ihnen, sie verlangt kein Glaubensbekenntniß: sie will blos das Eine – die Bruderliebe! und für die Theilnahme an ihrem unbescholtenen Wirken lohnt sie mit den reinsten Freuden.
Alle Anstalten in einem Staate, welche auf Verbreitung und Fortbildung von Kunst und Wissenschaft hinzielen, sind so viel äußere Merkmale seiner Gesittung. Zu den hervorragendsten gehören namentlich diejenigen Staatseinrichtungen, welche die Pflege der schönen Künste zum speziellen Zweck haben. Wo man ihnen Aufmerksamkeit
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/34&oldid=- (Version vom 21.6.2025)