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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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widmet, wo man Kunst und Künstler mit Eifer hegt, wo man sie anwendet zur monumentalen Verherrlichung und zum Ehrenschmuck einer Nation für Begebenheiten, Dinge und Menschen: – da ist es immer ein Zeichen, daß der Staat entweder eine hohe Stufe der Civilisation wirklich einnimmt, oder doch so angesehen seyn will. Denn auch da ist nicht immer Wahrheit. Petersburg und Moskau haben Akademien so gut, wie Paris und London; aber die Russen sind dadurch um kein Haar civilisirter geworden, und jene zarten Blüthen der Gesittung sind dort ein falscher Schmuck, der Niemanden täuscht. Wahre Bedeutung und den höchsten Werth haben sie erst da, wo sie in der Gesittung des Volkes selbst Früchte hervortreiben und – wie bei den Griechen und Römern auf die Verschönerung und Veredelung aller Lebensformen wirken.
Die Akademie der schönen Künste (Academie des beaux arts) in Paris ist eine Abtheilung jenes Instituts von Frankreich, auf welches die französische Nation mit Stolz hinweist, wenn sie sich unter den Repräsentanten der europäischen Civilisation zu alleroberst stellt. Kein Volk der Erde hat in der That Etwas aufzuweisen, was sich dieser grandiosen Centralisation des Ruhms und des Glanzes von Genie, Wissenschaft und Kunst an die Seite stellen könnte. Napoleon selbst rechnete es sich stets zur höchsten Ehre an, „Mitglied des Instituts“ zu heißen, und als seinem Schwerte der halbe Welttheil gehorchte, gefiel er sich in der Versammlung der Fürsten des Geistes und der Kunst auf dem einfachen Sessel so gut, wie auf dem Throne der Weltherrschaft. –
Die Pariser Kunstakademie ward unter Ludwig XIV. gegründet, und Kardinal Mazarin erbaute den Palast, den sie gegenwärtig einnimmt. Sie zerfällt in zwei Hauptabtheilungen: Architektur und Malerei und Skulptur. Die Theorie der Kunst lehren 12 Professoren, und in der Praxis geben die größten Meister Anleitung, während die reichen Sammlungen aller Art das Studium und die Ausbildung der jungen Künstler anregen und befördern. In den Hörsälen der Ecole des beaux arts (der Kunstschule) haben über 1000 Eleven Raum. Jeden Monat finden feierliche Preisvertheilungen Statt und öffentliche Ausstellungen der Arbeiten jedes Quartal. Künstler-Preisgerichte erkennen den Besten in jedem Fache den Ehrenkranz zu. Der Sieger ist berechtigt, ein Jahrlang das classische Land der Kunst, Italien, zu bereisen und in Rom seine Studien drei Jahre lang fortzusetzen: – beides auf Kosten des Staats.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/35&oldid=- (Version vom 21.6.2025)