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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Herrn zu; er reicht ihm die Hand: die herrliche, hohe Gestalt mit dem ausdrucksvollen Kopfe, welcher halb an Achilles, halb an Aeschylos mahnt, die ist Lamartine. Und Der an seinem Arme – zwar an Körper weniger lang, aber um kein Haar kleiner an Geist, Charakter und Gesinnung, – dem Wissen und Weisheit aus allen Zügen sehen, – der ist Arago, der Philosoph, Mathematiker, Gelehrte, Staatsmann, der Stolz der Akademie, einst der Schmuck des Ministertisches und zu jeder Zeit, wann es gilt die Freiheit und das Recht der Nation zu vertheidigen, der erste der Volkstribunen und der geachtetste und gewaltigste.“ Noch Manche nannte mir der Freund – Victor Hugo, Cremieux und den von allen Parteien eben so gehaßten, als gefürchteten Girardin, diesen Mann, welcher schlecht, prinzipenlos und perfid gegen alle Parteien, denen er nach einander angehörte und die er alle nach einander verließ, durch die Größe seines Talents eine Macht für sich bildet und jeden Morgen durch sein Journal, „die Presse,“ vor Hunderttausenden predigt. –
Wir ließen uns Erfrischungen bringen, und schon war der Vollmond hoch herauf gestiegen, als wir uns trennten. Mein Freund wollte in die Oper, und ich übergab mich einer Menschenwoge, die gegen das Elysée hinwälzte. Am Gitter des kleinen Parks, den der Präsident sich zum Privatgebrauche reservirt hat, zerschellte sie und ich richtete meine Schritte nach dem Palast hin, dessen zierliche Formen die Candelaber des Portals beleuchteten.
Vor den Pforten blieb ich stehen. Aus den hohen Spiegelfenstern strahlte es wie Sonnenglanz und warf ein blendendes, flackerndes Licht in die Rue St. Honoré und auf die nahen Baumgruppen. Flammen schienen auf jedem Laub zu zucken und die bunten Schatten tanzten in den Zweigen. Equipagen, an- und abfahrend, rollten und rasselten ohne Unterlaß, und beim Kerzenlicht schimmerte das Dienervolk in Gold und Silber. Das Wiehern der Rosse, das Rufen der Lakeyen, die spähenden Polizeisergeanten, die polternden Munizipalgardisten und die summenden, auf und ab wogenden Volksmassen gaben der Szene Leben und Mannichfaltigkeit. Der Abend war so schön! Am tiefblauen Himmel glänzten Orion und Siebengestirn und im Westen stand der Vollmond, an dem silberhelle Wölkchen langsam vorüberzogen. Ich blickte hinauf, weiter wurde mein gepreßtes Herz und der Alp floh von meiner Seele. Warum ärgert’s dich, – rief ich mir zu, – daß Mücken spielen im Kerzenlicht? Blättere in den Leichensteinen dieses Hauses – denke seiner Vergangenheit! Und als ich das Haus wieder anblickte, lag ein Band Weltgeschichte aufgeschlagen vor meinen Augen. – Ich sah den wüsten Regenten, als er von einem Palaste des Vergnügens träumte; sah die Baumeister um ihn, sah die Mauern emporsteigen, die schlanken Säulen aufrichten, die Fenster wölben, sah alle Künste wetteifern zu seinem Schmuck, sah dann
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/47&oldid=- (Version vom 21.6.2025)