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Sonnenlicht auf Dinge und Menschen warfen, die köstlichen Erfrischungen, welche mehr aufregten, als abkühlten, die Wohlgerüche der tausend Blumen und Essenzen, das dichte Gewühl der Gäste, – Alles zusammen machte das Klima in den Sälen zu einem tropischen, und eine lechzende Glut erfüllte Jeden, der in diesem Treibhause voll Lust und Genuß eine längere Zeit verweilte. Das Summen und Brausen der Conversation war so groß, daß, um sich den Zunächststehenden hörbar zu machen, Jeder mit lauter, erhobener Stimme sprechen mußte. – Wie die Stunden fortrückten, steigerte sich die allgemeine Aufregung. Diamanten, Gold, Flitter, kostbare Stoffe, Federn von Vögeln aller Zonen, Perlen, Sammt und Seide, blitzende Armbänder, strahlende Diademe, Blumen aus Juwelen, alle Zauberschöpfungen der sinnreichsten Toilettenkünste, glänzende Stickereien, schöne Füßchen, die kostbarsten Spitzen: kurz Alles, Alles, was Phantasie, gewählter Geschmack und verschwenderischer Luxus nur Reizendes, Schönes und Neues zu schaffen vermag, wogte um den Blick des Zuschauers wie Gebilde eines Feenmährchens. Aber selbst an diese Säle des rauschenden Vergnügens klopfte leise, wie ein ungeladener Gast, das – Elend. – Ein Paar verschleierte Damen standen an einem Pfeiler und vor ihnen stand eine silberne Schüssel. „Pour les malheureux, s’il vous plait!“ mahnte ihr Flötenton die Vorübergehenden; Viele gingen und hörten es nicht! Ich legte meine Banknote hin und trat erschüttert von dem Kontrast und den Vorstellungen, die sich daran knüpften, in die nächste Fensterbrüstung. – Mein Blick flog über die elysäischen Felder hin auf die Vorstädte, wo das Elend wächst in grauenvollem Grade, und Verzweiflung und Communismus an seinen Brüsten saugen; denn die Arbeit stockt, weil das Vertrauen auf die Zukunft fehlt und das Geld aus den Gewerben in die Keller der Bank sich verkriecht, oder, nach dem Beispiel des Elysée, dem Börsenspiel sich hingibt. Was kümmert aber das die höhern Kreise? Das vornehme Paris tanzt, die Salons glänzen, die Theater füllen sich: mögen die Faubourgs hungern! Die Erde zittert vom Grollen der unterirdischen Mächte: die große Gesellschaft macht Karneval trotz dem und begräbt jeden sorglichen Gedanken im Rausche der Freude. In dieser, von flackernden Gasflammen erleuchteten, prächtigen Rue St. Honoré floß das Blut in Strömen und die Wasser des Himmels haben die Spuren auf dem Pflaster noch nicht ganz vertilgt. Aber nur das Volk hat dafür Augen und Gedächtniß, und – das Volk liegt in Ketten. – Dennoch will von der Gewalt die Furcht nicht weichen. Mit Erstaunen wurde ich gewahr, daß die Volksmassen, die noch vor ein paar Stunden hin und her wogten, gänzlich verschwunden waren. An ihrer Stelle gingen Polizeisergeanten Arm in Arm auf den leeren Trottoirs, von fern glänzten Bajonnette im Lampenschein, und auf dem Platze vor dem Palaste selbst standen zahlreiche Gruppen gesattelter Pferde und Krieger im Cuiraß mit hohem Helmbusch. „Das böse Gewissen in diesem Hause des Schicksals hatte allezeit Argwohn,“ – dachte ich, und auf die Tanzenden sehend, fiel mir Salvandy’s Wort an Louis Philipp kurz vor seinem Sturze ein: – „wir tanzen auf dem Vulkan.“