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Fanfaren schmetterten! – Meine Aufregung war so groß, daß sie mir die Sinne verwirrte. Mir war’s, als hörte ich den Posaunenschall des letzten Gerichts! Ich fühlte den Boden wanken unter meinen Füßen. Ich eilte aus dem Palaste. Da stand ich vor den stählernen Cuirassiren, welche an den Seiten ihrer Rosse ihre Cigarren schmauchten. Die glänzenden Kriegergestalten kamen mir vor, wie lauernde Mörder, das Volk zu schlachten. Ich beflügelte meine Schritte. Immer wieder traf ich neue Soldatengruppen, Infanterie und Kavallerie, und an der Mündung der Rue d’Anjou drohten die Rachen aufgefahrener Geschütze. Wo ist das Volk hin, stammelte ich, – das unterdrückte, aufgewühlte, betrogene, vom Zorn entflammte? Warum ist’s geflohen vor der herausfordernden Gewalt? Warum nimmt’s den angebotenen Kampf nicht auf? – Da rief’s: „Die Zeit ist noch nicht reif.“

Und die Fanfaren brausten wieder und ich entfloh dem Jubel des Palastes bis auf den Bastillenplatz. Dort blinkte die Juliussäule im Mondlicht, wie der bleiche Geist der Gemordeten, und um die Katakomben der Märtyrer hingen zehntausend Kränze, und hungerndes, lumpiges Volk stand um das Gitter und hütete die Gruft seiner Heiligen und Helden. Mir schwoll das Herz. Dort im Palaste des Präsidenten die Blumengewinde der Tropengewächse aus dem Treibhause, und hier am Grabe des Volks die Cypressenkränze, welche Verehrung und Liebe zum Opfer brachten. Ich warf einen Blick nach dem Elysée hin; eine rothe Dampfwolke, wie sie über einem brennenden Dorfe schwimmt, bezeichnete seine Stelle. „Sie leuchtet euerem Untergang,“ dachte ich, und sah die Säule an. Auf der Spitze derselben schimmerte die Viktoria, des siegenden Volks Symbol, im Mondlicht. Neben mir aber stand eine schwarze Frauengestalt und drückte das gebeugte Haupt gegen das harte, kalte Eisengitter. Ein tiefer Seufzer wand sich aus dem martervollen Herzen. Regungslos stand sie, ein Bild des Grams und der Verlassenheit. Ich bückte mich zu ihr nieder und sagte leise: Weib, hoffe! es lebt ein Gott! – Sie wendete das Haupt, blickte mich an mit verworrenem Auge und rief: „O Herr, o Herr! Hier unten schläft mein Gatte mit meinen zwei Söhnen! und ich elendes Weib, ich lebe noch und die Republik läßt mich darben.“ – Als käme aber plötzlich der weichere Schmerz in ihre Seele, setzte sie, mit gefalteten Händen auf die Kniee sinkend, hinzu: Gott, Gott! vergib! laß mich leben um meiner Tochter willen! – Ich legte der Wittwe ein Goldstuck in den Schooß und die Hand auf die Schulter und sagte leise zu ihr: Hoffe!

Wann werden die Todten des Bastillenplatzes auferstehen und die bleichen Gerippe die Freudenglocke läuten? – Heute? Morgen? Uebermorgen? –