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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Gleichheit gehört zur Trias, welche die Zeit auf die Standarte der Menschheit geschrieben hat. Aus der Ungleichheit des Bürgers, aus der Ungleichheit der Volker ist das Elend der Erde erwachsen, wie es bei dem Einzelnen aus dem gestörten Gleichgewicht der Kräfte hervorgeht. Die ganze Natur liegt in stetem Kriege mit der Ungleichheit, und die Geltung des Gleichheitsgesetzes herzustellen und zu befestigen, wo es verletzt oder gelockert wurde, sind ihre Kräfte immerfort wirksam. Daher Ebbe und Fluth in Luft und Meer, daher Donner und Blitze, Stürme und Ueberschwemmungen, Erdbeben, Pest und Mißwachs. Sogar in die tiefen Räume des Himmels ist der Kampf gedrungen: zertrümmerte Planeten fliegen um die Sonne und der unregelmäßige Lauf der Gestirne zeugt von der Störung des Gleichgewichts im Weltall.
Für die Völker des westlichen Europa war von jeher die Ungleichheit in Gesittung und Bildung die fruchtbarste Mutter ihrer Leiden. Sie ist der Wall, welcher jeden Fortschritt zu glücklichern Zuständen hemmt; sie ist die Mauer, welche den Despotismus schirmt: – eine Mauer, stärker, höher, unübersteiglicher, als die chinesische; sie ist die Nährmutter aller volksfeindlichen Mächte; der Zauberring, welcher die letztern nach jedem Niederwerfen wieder aufstehen macht mit größerer Kraft; sie ist die Klippe, an der die Freiheitsregungen der Völker fortwährend scheitern; und diese Ungleichheit ist’s, bei deren Betrachtung in jedem wahren Menschenfreunde die Hoffnung auf die Früchte von Katastrophen stirbt, welche uns in der nächsten Zeit bevorstehen. In dem unermeßlichen Abstand zwischen der Bildung jener erleuchteten Männer, welche den Völkern dienen als Wortführer und geistige Streiter für Freiheit und Recht, und der Masse des Volks selber liegt ein Abgrund, welcher unserer Zukunft die größten Gefahren bringt. Wo ist ein im Kampf mit dem Absolutismus und der Alleinherrschaft befangenes Volk in Europa, in dessen Masse ein vernünftiger Begriff von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit vorhanden, festgewurzelt und wirksam ist im Denken und im Handeln? Nirgends! Der Absolutismus wußte wohl, was er that, als er die Staatseinrichtungen überall so regelte, daß die Bildung immer nur Wenigen ein Bedürfniß und zugänglich wurde und die Masse des Volks auf Unwissenheit und Helotendaseyn angewiesen blieb. Friedrich II. schrieb am Rande eines Schulreformplans, der
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 48. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/54&oldid=- (Version vom 21.6.2025)