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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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ihm vorgelegt wurde: „Es soll beim Katechismus und den 4 Spezies bleiben. Wenn ein Potentat seinen Bauern mehr lernt, so sägt der Narr den Ast selbst ab, auf dem er sitzt.“ – Diese Königslehre ist so alt, als die Monarchie selber. Mit dem Thun für’s Gegentheil ist’s nie rechter Ernst gewesen; Phrasen waren es meist, um die Leichtgläubigkeit zu täuschen.
Daher sehen wir, wo immer Volksfreiheit und Selbstregierung zur Herrschaft gelangen, daß der Steuerleute erste Sorge ist, den Volksunterricht zu reformiren und dem belehrenden Wort die Zunge zu lösen. Bildung ist jedoch kein Gut, das erworben wird über Nacht; sie ist kein Besitz, den man theilen kann unter Alle, wie Aecker und Wiesen, Haus und Geld, durch einen kommunistischen Machtspruch! Was der gebildete, wissensreiche Mann durch Lehrer, Bücher, eigenes Nachdenken, Umgang und Ideentausch mit andern Gebildeten in einer langen Reihe von Jahren errungen hat: seinen Schatz des Geistes, dieses Wissen und diese Reife, Richtigkeit und Schärfe des Urtheils über Begebenheiten, Menschen und Dinge: – das kann der in Unwissenheit geflissentlich auferzogene große Haufe nicht erlangen durch ein paar Jahre Zeitungs- und Bücherlesen, oder im Wirthshaus. Er hält sich vielleicht nach einem solchen Kursus für klug, weil er unklare Vorstellungen über Volksfreiheit und deren Rechte in sich aufgenommen hat; aber er ist so unfähig, als vorher, sich zum Vollbewußtseyn dieser Rechte zu erheben, und der Muth zu einer besonnenen, beharrlichen, mit Opfern verknüpften Vertheidigung derselben ist selten bei ihm zu suchen. In seiner Einfalt leicht aufzuregen zu unbesonnenen Streichen und nur zu oft ein Werkzeug für Jeden, der ihm schmeichelt und seinen albernen Begriffen von Freiheit dreist das Wort redet, überläßt er hingegen den Patrioten, der muthvoll, fest und treu die Heiligthümer des Volkes in den Tagen der Unterdrückung und Gewaltherrschaft Schritt für Schritt vertheidigt, nur zu häufig theilnahmlos den Verfolgungen und wagt es oft nicht einmal, ihn durch Zeichen der Liebe in seinem Kampfe zu stärken. Wie vielen Männern, die sich ihm aufgeopfert haben, hat er durch gänzliches Vergessen Dornen auf’s Haupt gelegt! – Der Stachel aber, der sie am meisten schmerzt, ist die Hoffnungslosigkeit. Wird die hereinbrechende Katastrophe Besseres thun, als – die Rache befriedigen? Wird sie zur Herrschaft der Freiheit und des Gesetzes führen? Wie Viele wagen es noch, das zu hoffen? denn die Rohheit begreift eine solche Herrschaft nicht und will nichts von ihr wissen.
Demungeachtet soll das belehrende Wort nicht müde werden, wäre es auch eine Stimme in der Wüste. Gerade in solcher Zeit muß die Wahrheit alle Schminke und alle Halbheit von sich thun und verflucht sey die Hand, welche den Rand des Abgrunds, auf dem wir wandeln, mit Blumen bestreut! Die Sache der Freiheit ist eine so heilige Sache, daß ihre Streiter sich lieber dem Untergang weihen müssen, als den Sieg suchen durch ungerechte Waffen, oder durch ein Bündniß mit den unsaubern Geistern, welche ganz andere
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/57&oldid=- (Version vom 21.6.2025)