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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Ziele verfolgen. Ein unwürdiger Sieg würde an unserer Sache mehr verderben, als zehn Niederlagen. Nein, gerade jetzt, wo die Dinge getrieben sind auf’s Aeußerste und das Schicksal des gesammten Vaterlandes am Scheidewege steht: gerade jetzt sollen alle Männer, welche nichts mehr und nichts weniger wollen, als die Herrschaft des Gesetzes im freien Bürgerstaate, jeden Zweifel über ihr Streben von sich weisen. Sie sollen erklären: „Wir wollen das Reich der Freiheit als ein Reich des Gesetzes; wir wollen es als ein Reich der Gerechtigkeit und der Gleichberechtigung, der Ordnung und Wohlfahrt für Alle: nicht aber als ein Reich der Anarchie und Gewalt; wir wollen es als ein Reich der Toleranz und Duldung für jeden Glauben und für alle Meinungen und Ueberzeugungen: nicht aber als ein Reich der Verfolgung für Andersdenkende; wir wollen es als ein Reich der Liebe: nicht als ein Reich des Hasses und der Rachsucht; wir wollen es als ein Reich des Friedens, der Verträglichkeit, der Einigkeit und der Freundschaft aller Völker: nicht als ein Reich der Zwietracht und des Kriegs, – und wir sind entschlossen, in jeglichem Kampfe, der kommen wird, das Kleinod, das wir erstreben, zu erobern mit reinen Händen und gerechten Waffen, oder – unterzugehen.“
Als die Geißel Gottes – Attila – in Rom eingezogen war, um Rom von der Erde zu tilgen, da trat ihm der römische Bischof mit dem Kreuze entgegen, und vor der Macht des Symbols der Liebe sank dem Verwüster das schon erhobene Schwert aus den Händen. – Als die Menschheit, angekettet an den sterbenden Polytheismus, in Fäulniß zu verderben drohte, da weckte Christus Liebeswort das frische Leben und sein Kreuzestod versöhnte das Schicksal mit der Schuldigen. – Sollte denn nicht auch jetzt das zur Gerechtigkeit und Menschlichkeit mahnende Wort, wenn Jeder, der Fähigkeit und Beruf dazu in sich fühlt, das Apostelamt in seinem Kreise übt, wirksam seyn können? Vielleicht ist’s vergebens; denn auf dem Meere der Leidenschaften gehen die Wogen thurmhoch, und im tobenden Sturm mag auch der kräftigste Zuruf ungehört verhallen. Dennoch muß es versucht werden. Der pflichtgetreue Mann handelt nach dem innern Gebot, nicht nach dem Erfolge.
Völker eines Volks, Stämme einer Wurzel, Deutsche aller Länder! Söhne einer Mutter, geboren in einem Schooße, gesäugt an einer Brust, Ihr, die ihr einander jetzt gegenüber steht wie feindliche Brüder: – laßt das Schwert in der Scheide! Welcher höllische Wahnsinn will deutsche Völker in Streit gegen einander treiben, daß sie sich morden und verfolgen wegen fremder Interessen, oder wegen Meinen, Glauben und Hoffen? Warum, Preuße du, und du Schlesier, du Rheinländer, und du Mann aus der Mark und Westphalen, wolltest du dich mit dem Bayer, dem Franken, dem Schwaben schlagen, der mit gefalteten Händen zu demselben Gotte um die ewige Barmherzigkeit für sich fleht und um Freiheit und Ehre für das große Vaterland, zu dem auch du betest? Wendest du dich, Pommer und Mecklenburger, nicht auch gegen Osten zur aufgehenden Sonne und dankst der Güte des ewigen Weltgeistes, der deine heimathlichen Fluren segnet, eben so wie es der Hesse und Pfälzer thut, und
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/58&oldid=- (Version vom 21.6.2025)