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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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in den Stämmen und Fürsten, kaum etwas ausrichten werden. Wenn sich Süd und Nord zerfleischen wollen, so geschieht es doch. –
Ich sah hinaus auf die Landschaft. Erz- und Fichtelgebirge schicken ihre Ausläufer weit umher und furchen das Land in liebliche kleine Thäler, auf deren smaragdgrünen Matten mit den klaren Forellenbächen sich das Menschenleben seine Stätten gebaut hat. Dann und wann kommt ein Rittersitz zum Vorschein; meist aber sind es kleine Häuschen, die oft dürftig aussehen. Die Eisenbahn selbst steigt nie in den Thalgrund nieder. Sie zieht an den Gehängen hin, die Lokomotive fliegt über die Schornsteine fort mit ihrem langen Wagenschweif, über enge Waldschluchten hinweg auf hohen Brücken, oder an schwindelnden Abgründen vorüber. Straßen und Wege steigen in diesem durchschnittenen Terain bald auf bald nieder; manchmal sieht man sie neben den Bächen im Thale hinlaufen, manchmal sich mühsam den Berg hinan winden. Für den eisernen Strang aber mußte der Mensch eine Ebene bauen in dem Hügelland, und es ist ihm auf der einen Seite gut gelungen. Ueber Hof hinaus aber, wo die Wassergebiete des Rheins und der Elbe sich scheiden, da stürzt das Gebirge so steil zum Maingrund herab, daß die Herstellung einer Bahnlinie mit gewöhnlichem Gefälle unmöglich wurde. Sie geht an den Rändern kleiner Thäler so widerspenstig hinunter, daß keine Bauwerke helfen konnten, sondern die Bahn in Curven hinabgeführt werden mußte. Das ist die berühmte „Schiefe Ebene,“ auf welcher die Lokomotiven mit ihren Zügen unter dem Bangen der Reisenden 400 Fuß tief nach Schorgast hinunter rollen. Von da läuft die Bahn, an den Abhängen des Fichtelgebirges fort, in’s Mainthal. Wunderschöne Aussichten öffnen sich auf dieser Strecke bald da, bald dort, bis die uralte Akropolis der weltberühmten Bierstadt Culmbach heranrückt und vor dem spähenden Auge das Frankenland seine Gauen aufthut. Dieses Franken ist ein gesegnetes Stück deutscher Erde voller Schönheit und Fruchtbarkeit, und die Romantik lugt von allen Höhen und Bergen. Klostertrümmer und Wallfahrtskirchlein stehen umher und die grauen Burgen gucken aus dunkelm Waldesgrün und erinnern an jene Zeiten, wo die reiche, fränkische Ritterschaft auf ihrer Reichsbank in Regensburg tagte und ihr Bund stark genug war, mächtigen Fürsten, die nach ihren Besitzungen verlangten, in langen Kriegen Widerstand zu thun. Fast alle Städte haben eine Veste zur Seite und Wälle und Mauern zum schirmenden Gurt; in ihrem Schooße aber blühen Handel und Wandel und lebt und webt ein tüchtiges Volk, die Enkel jener Bürger, welche die Künste pflegten im Frieden, aber wenn es galt, ihr Recht zu vertheidigen, mit Lanze und Schwert Schlachten schlugen, den tapfersten Rittern gleich, und alle Drangsal lieber duldeten, ehe daß sie ein Jota von ihrer Freiheit fahren ließen. Das wußten die Kaiser zu ehren mit Schenkungen, Verleihungen und Privilegien, und wenn sie des Landes Grenze betraten auf ihren Zügen gen Nürnberg, um Recht zu sprechen, oder Reichstag zu halten, da
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 55. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/61&oldid=- (Version vom 21.6.2025)