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Ruf Erlangens, eine der hübschesten Städte Deutschlands zu seyn. Aber stille ist’s, fast zu stille. Die Bevölkerung (etwa 10,000) scheint noch kleiner, als sie wirklich ist, in dem weiten, großstädtischen Gewande.

Die Universität ist für Erlangen gegenwärtig der Angelpunkt des geistigen und materiellen Lebens. Sie ist eine Stiftung des fränkischen Fürstenhauses und wurde bald nach ihrer Gründung (1732) von Baireuth hieher verlegt. Spärlich dotirt und von der Regierung eher zurückgesetzt als begünstigt, hat sie sich zwar niemals zu großem Glanze entfalten können; den Ruf aber, den strengen Geist der Wissenschaft zu bewahren und tüchtige Männer zu bilden, sich allezeit erhalten. Zwischen Lehrer und Schüler herrscht hier ein Ton, der gegen den auf manchen großen Universitäten eingeführten vortheilhaft absticht. Dem Studenten öffnen sich die geselligen Kreise der Professoren, er findet in den achtbarsten Familien leicht Zutritt: und unter diesem wohlthuenden Verhältniß, das seine sittliche Bildung fördert, wird er manchen Gefahren entrückt, welche da am schroffsten hervortreten, wo der Student durch vornehme Abgeschlossenheit der Lehrer immer wieder auf den Umgang mit seines Gleichen hingewiesen ist.

Die Universität Erlangen hat viele Männer gebildet, die als Sterne erster und zweiter Größe weithin glänzen: Martius, Steinheil, Liebig, Goldfuß, Bischoff brachen in den Naturwissenschaften neue Bahnen, und ihr Ruhm geht durch die Welt. Schelling in Berlin, Osann in Würzburg und der Dichter Rückert sind auch Zöglinge jener Hochschule. Die glänzendste Wirksamkeit hat sie jederzeit in den Naturwissenschaften geäußert; da steht sie an der Spitze des Fortschritts; nur die theologische Fakultät verfolgt seit einer Reihe von Jahren, leider! die entgegengesetzte Richtung, und seine bekannteren Lehrer stehen als ächte Zionswächter auf der Bresche des orthodoxen Glaubens.

Die Fakultät sollte des Schicksals von Loths Frau eingedenk seyn. – Wo wird der Sieg bleiben? auf der Seite des Rückwärts oder des Fortschritts, der Finsterniß oder des Lichts? Was hat größere Dauer? die Hülle oder der Geist? Wenn das fortrollende Rad der Zeit über das Dogma, das die Orthodoxen so hartnäckig vertheidigen, längst zermalmend hinweggegangen ist, so wird die freie Christuslehre bestehen und die Nacht erleuchten mit hellem Kerzenlicht. Das Christenthum bleibt dem frischen Leben und dem Fortschritt treu, trotz den Zionswächtern und ihres Gleichen. Ob sie den Glauben zu einem Symbol des Unbeweglichen machen wollen oder zu einem Schwerte des Absolutismus, über den sie den Segen sprechen: – so fruchtet das ihrem Zweck so wenig, als das Wasserschöpfen den Danaiden. Christus war am Schmerzenslager der geknechteten, siechen Menschheit nie ein Bußprediger, der den Leidenden das Fegefeuer als Vorhof des Himmels zeigte, sondern ein Tröster voll Hoffnung und Ermuthigung, der ihren Blick inmitten eines Himmels voll Liebe, Licht und Seligkeit richtete. Die Thoren! Wandelt nicht jede Gegenwart auf den Gräbern der Vergangenheit? und sie wollen auf dem Schutt