Seite:Meyers Universum 14. Band 1850.djvu/73

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
DCXXIV. St. Cloud.




Welch ein Bild der erhabene Mensch! Verweile betrachtend,
     Mit dem Blid des Gemüths schaue bewundernd ihn an.
Sieh’! er kämpfet die Kämpfe der Leidenschaft, bändigt die Stürme
     Jedes mächtigen Triebs, jedes empörten Gefühls.
Nicht beugt den Helden die Last der aufgebürdeten Leiden,
     Selbst nicht der spottende Blick, selbst nicht das Lachen des Hohns,
Alles erträgt er mit würdiger Kraft und mit Adel der Seele;
     Wenn die Welt ihn verläßt – stützt er sich sich auf sich selbst! – –


In der Idee von Gott geht alles Erhabene auf; in der Idee des Unendlichen versinkt alle menschliche Größe. Klein und ohnmächtig sehen wir uns der Allmacht gegenüber; doch hat ein solches Erkennen nichts Niederdrückendes: wir fühlen uns vielmehr aufgerichtet durch die Fähigkeit, das Unendliche denken und Gottes Größe fassen zu können in seinen Werken. Also entsteht das Gefühl des Erhabenen, jene Empfindung, vor der sich Alles in Höhe und Tiefe, in Himmlisches und Irdisches scheidet. – Die sichtbare Ordnung in dem unermeßlichen Weltgebäude, die Bahnen, welche die Trabanten der Sonne in der Wüste des Aethers beschreiten, der Sternenhimmel als Bürge unserer Unsterblichkeit, – alle diese erhabenen Gegenstände betrachten wir mit einem unaussprechlichem Vergnügen, dessen die Seele nicht satt werden kann. Wir empfinden über jede Erscheinung des Allgewaltigen und Allweisen ein Entzücken, vor dem das Mißvergnügen über unsere eigene Kleinheit und Schwäche verschwindet.

Wie in der Natur, so ist’s in der sittlichen Welt. Ein wahrhaft großer Mensch, in welchem der göttliche Funke ausgeprägt ist durch Genie und Tugend zum Heros, füllt unsere Seele mit Schauern der Verehrung, der Freude und des Stolzes. Das Gefühl der eigenen Winzigkeit, solchen Menschen gegenüber, hat nichts Entmuthigendes; vielmehr weckt es ein Hochgefühl; denn in dem Gegenstand unserer Bewunderung sehen wir doch immer