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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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und fort, damit man ausrotte alle Kraft des Widerstands; wie endlich alles Regieren darauf hinausgegangen war, die Massen zu conglomeriren in ein Ganzes, dem man den Gehorsam als Lebensprinzip einimpfte und unter dessen Herrschaft die Staatsbürger nur als Ziffern und Zahlen nach der Höhe des Ertrags galten! Damals war es, wo, um zugleich dem fremden Dienstherrn und der eigenen Hoffahrt zu genügen, die deutschen Regierungen jenes Pump- und Saugwerk an alle produktiven Kräfte der Nation legten, auszuziehen das Mark aus Bürger und Bauer und die Verarmung in die Massen zu verbreiten, welche endlich nichts übrig lassen wird, als – Reiche und Dürftige. Damit aber ja keine einzige Quelle verborgen bliebe, aus der ein Tropfen zu schöpfen sey, und auch keine Regung des Volkslebens unbewacht und unbeachtet: so wurde zu allem andern Bösen auch noch jene horchende, spähende, schleichende Macht eingeführt, welche den Argwohn auf die Stufen der Throne setzte und den Fürsten wie das böse Gewissen nachging. O schmachvolle, unvergeßliche Zeit! Deutschland war verurtheilt, doppelte Ketten zu tragen: dle des fremden Oberherrn, und die von den eigenen Fürsten, welche ihrerseits vor keinem Sklavendienst errötheten. In den Schlössern der Souveraine räucherte man dem fremden Herrn, golden glänzte sein Name in den deutschen Kalendern, und seine Geburts- und Namenstage wurden der Nation von ihren Regierungen als Freudenfeste empfohlen! War es da ein Wunder, daß alles Ehrgefühl und alles nationale Bewußtseyn getödtet und jeglicher Sinn für bürgerliche Freiheit und Selbstständigkeit bis zur Wurzel zerfressen wurde? Die Legende: „Empire francais,“ ging quer über die Karte Deutschlands hin bis zur Ostsee, und die Pulsadern des deutschen Lebens unterbanden französische Präfekten. Nur das Eine theilten damals die Fürsten mit den Völkern: die Erniedrigung. Dieses Loos traf jedoch Deutschland nicht allein. Weit über seine Grenzen hinaus reichte die Fluth, bis an die Säulen des Herkules ging sie, und alle Nationen und Fürsten des europäischen Continents beugten ihr Haupt vor dem Adler, der in St. Cloud horstete.
Und in St. Cloud war es, wo ein Federzug und ein Moment das zwanzigjährige Riesenwerk vernichteten. Die Urkunde seiner zweiten Abdankung hat Napoleon in St. Cloud unterzeichnet. Verrathen, gefangen, angeschmiedet an den einsamen Felsen des Ozeans verwandelte sich nun der Heros in den Seher, und von den Lippen des Sterbenden trugen die Wogen jene Weissagungen in die alte Welt, welche eingetroffen sind bis zur heutigen Stunde.
St. Cloud hat noch manches interessante Blatt in seiner Chronik. Hier unterzeichnete Carl X. im Juli 1830 jene Ordonnanzen, welche die schlafende Revolution aus ihrem Grabe riefen und ihre Geister aus der
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 72. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/78&oldid=- (Version vom 28.6.2025)