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„Fortbildung ist das Gebot für alles Erschaffene“. – Die Sonne geht auf und unter und die Sterne versinken und kommen wieder, und die Sphären haben ihren Zirkeltanz; aber sie kommen nie so wieder, wie sie verschwanden, denn in den leuchtenden Quellen des Lebens selbst ist Leben und Fortbildung. Jede Stunde, von ihnen herbeigeführt, jeder Morgen und jeder Abend sinkt mit neuem Gedeihen herab auf die Welt; neues Leben und neue Liebe entträufeln den Sternen, wie die Thautropfen den Wolken, und umfangen die Erde kräftigend, wie die Nacht die Natur, wie der Schlaf die Menschen.

Weil aller Tod Geburt ist, so muß auch schon im Sterben sichtbar werden die Erhöhung des Lebens. Nicht der Tod tödtet, sondern das lebendige Leben, welches, hinter dem alten verborgen, nach diesem beginnt. Darum ist jede Geburt blos das Ringen des Lebens mit sich selbst zu höherer Vollkommenheit. Daß die Natur ein Leben durch den Tod vernichten könne, – ein solcher Gedanke streitet gegen die Vernunft, er widerspricht aller Erfahrung, aller Beobachtung, aller Forschung, er ist unverträglich mit den unabänderlichen Naturgesetzen, er ist der Gedanke des Unmöglichen.

Aber nicht blos das geistige Selbst jedes Menschen, die Seele, ist unsterblich, auch die irdische Wirksamkeit des innern, unsichtbaren Lebens kann keine Zeit, kein Tod vernichten, sofern dieses Wirken selbst des Lebens nicht entbehrte. Indem es die Zeit verwischen will, frischt sie es auf; und während es zu sterben scheint, zieht es in ein höheres, entwickelteres Leben ein. Was einmal eingetreten ist in den Kreis der Entwickelung, dem klebt auch die Ewigkeit an. Wären Tod und Vernichtung gleichbedeutend, so wäre ja das ganze Weltleben endlich, es wäre ein langer Akt des Sterbens und der Kreis der Schöpfung wäre ein geschlossener. Jeder Blick in dieselbe beweist aber das Gegentheil: Leben, Fortentwickelung, Ewigkeit stellen überall sich als unzertrennliche Begriffe dar.

Die Vergangenheit hat die Gegenwart geboren, und diese ist die Mutter der Zukunft. So zeugt die Vergänglichkeit der Zeit ebenfalls nur für die Unvergänglichkeit! Die Vernichtung trifft nicht einmal die Form; denn alle Form ist nur der Vorhang gleichsam, durch den eine unendlich vollkommnere Form verborgen wird, und der Keim, aus der sich diese entwickeln soll.

Was der Mensch auf Erden lebendig schafft und wirkt, hat ebenfalls Anspruch auf Unvergänglichkeit.

Es ist der erhabenste, der allerstolzeste, der allerbegeisterndste Gedanke, daß Jeder, welcher die große Aufgabe übernimmt, seine Brüder und Schwestern weiser und glücklicher zu machen, auch auf Erden ewig fortwirke;