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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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daß also auch seines Daseyns Spur auf Erden nie aufhören wird. Sey Apostel der Tugend durch Beispiel und Wort; sey Apostel der Wahrheit und der Freiheit; bekämpfe das Schlechte furchtlos; führe rastlos Krieg gegen Tyrannei und Unterdrückung: der Tod kann dein Werk nicht abbrechen; denn jede lebendige That trägt die Fortdauer in sich und keine Zeit stellt ihrer Entwickelung Grenzen. Jeder große und tüchtige Mensch, welcher für die heiligen Interessen der Menschheit und für die Elemente der Gesittung streitet und wirkt, hat mit der Uebernahme seiner hohen Aufgabe die Ewigkeit an sich gerissen. Er hebt sein Haupt kühn empor gegen die finstern Gewalten, die ihm entgegen treten, er stellt sich vor seine giftigen, dräuenden Widersacher ruhigen Auges und spricht: Ich bin ewig und ich trotze eurer Macht! Brecht Alle los gegen mich, ruft die Hölle zu eurem Beistand herauf, schäumt und tobt, hebt Schwert und Strang gegen mich und zermalmt in eurer Wuth meinen Körper zu Sonnenstäubchen: mein Wille allein mit seinen festen Vorsätzen wird kühn und kalt über euere Leidenschaften schweben und euern Zorn belächeln: denn ich streite unter den Augen Gottes, und je mehr ihr mich verfolgt, um so herrlicher ist mein Sieg. Mein Wirken ist dauernder, als ihr, denn es ist ewig.“ – So spricht er, und er weist auf Christus, den armen Zimmermannssohn, den sie vor 1800 Jahren als Rebellen an’s Kreuz genagelt haben.
„Im Martertod hat er’s vollbracht,
Das Kreuz hat ihn zum Gott gemacht!“
Jeder begabte Mensch kann sich auf Erden eine Unsterblichkeit schaffen, sobald er sich mit reinem, festem Willen und unverbrüchlicher Treue dem Dienste der Menschheit weiht. Die übersinnliche Welt ist keineswegs eine solche, welche der Zukunft ausschließlich angehört. Sie ist gegenwärtig und sie kann in keinem Punkte unseres Daseyns gegenwärtiger seyn, als in dem andern. Wir leben mitten in derselben; wir gehören ihr an, wir sind ihre Bürger. – Wenn diese Ueberzeugung doch alle Menschen erwärmte! Sie ist das Fundament der großen Vorsätze, des weithin wirkenden Strebens, sie bringt die großen Thaten zur Welt, sie trägt die großen Menschen. Wo sie die Seele durchdringt, da verliert das Erdenwehe seinen Stachel und der Leidenskelch seine Bitterkeit. Selbst der Tod bringt dann Freude; er ladet ja zum neuen, höhern Leben. Ein solcher Mensch sieht sein Wirken unverloren; durch seinen Tod wird es der Menschheit Erbe und seine weitere Entwickelung ist dadurch gesichert.
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 78. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/84&oldid=- (Version vom 29.6.2025)