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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Das Saatkorn warfst Du. –
Die weiteren Mühen,
Das Wachsen und Blühen,
Das Reifen im Feld,
Das Streu’n über die Welt
Thut Gott dazu! –
sagte einst Spalatin zu Luther, und Luther antwortete frisch:
„Und der Teufel begießt’s,
Ob’s gleich ihm verdrießt.“
Was Luther jetzt sagen würde? Wohl eben so; freilich in anderm Sinne!
Unaufhörlich sitzt die Geschichte zu Gericht, und das Richtschwert Gottes ist thätig ohne Unterlaß. – Jetzt werden die Sünden der Hohen und der Niedrigen zu gleicher Zeit heimgesucht. Die Schuld der Ehrlosigkeit, Feigheit, Wortbrüchigkeit und Leichtgläubigkeit unten empfängt mit der Schuld der Wortbrüchigkeit und Grausamkeit oben zugleich ihren wohlverdienten Lohn. Aufgeriegelt liegt das finstere Reich des Abgrunds vor uns; die dunkeln Mächte haben den Geist der Versöhnung, des Verständnisses und des Friedens in Blut ersäuft und die edlern Gefühle sind versenkt in die tiefsten Brunnen: – in einem Labyrinthe sind jetzt Beide, Regierungen und Volk, befangen, und die höllischen Mächte haben den Faden in Verwahr genommen, der einen Ausweg vielleicht noch zeigen könnte. Wann wird das Unglück der Zeit das Siegel nehmen vom Urtheil Gottes! Wie dieses lautet, das ahnen Alle; aber Keiner kann an den Vollzug denken, ohne daß jeder Nerv zuckt und jedes Haar sich sträubt! Welche Geister werden dazu berufen werden, welche Schrecken werden in ihrem Gefolge gehen!
Bis dieser Tag kommt, an welchem der Stab gebrochen wird über Glück und Leben von Hunderttausenden, – sind wir in der Lage der Verdammten, die ihr Urtheil kennen, und den Tag des Vollzugs ohne Gnadenhoffnung erwarten.
Oben die Hülflosigkeit; Halt und Steuer gebrochen; keinen Glauben mehr an sich selbst und an die Dauer des Daseyns; lebend von einem Tag zum andern; rathlos sogar für die nächste Zukunft, in Aengsten und Argwohn ohne Unterlaß und von Gewalthat zu Gewalthat, von Mißgriff zu Mißgriff taumelnd, um den Bestand in der Gegenwart nothdürftig zu fristen; im Volke aber das Vorgefühl der nahenden Umwälzung, ein Gefühl, welches jegliches Verhältniß dominirt. Alle Gemüther sind in höchster Spannung; empört
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 79. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/85&oldid=- (Version vom 29.6.2025)