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der Barbaren, welche sich über jene Welt ergossen, kam frisches, gesundes Blut in das stockende Leben und der schon dorrende Stamm schoßte, von andern Säften verjüngt, in großen, neuen Trieben. Zwar fließen jetzt die Völker-Brunnen im Orient nicht mehr so reichlich, seit die Kultur dort gelichtet hat das Dunkel des Urwalds und die Pflugschar die wilde Erde zähmte. Dagegen aber hat Columbus die Siegel genommen von den Pforten des fernen Westens und die andere Hälfte der Erde mit ihren überschwenglichen Gütern und Reichthümern der bedrängten Menschheit der alten Welt zum Asyl und zur Besitznahme geöffnet. Es ist dieß ein unermeßlicher Vortheil, welcher der Gesittung der Jetztwelt zu gute kommt; sie rettet dadurch ihren ganzen Bestand, sie überträgt ihn ohne Verlust in die neue Heimath und dort, das Leben des neuen Landes in sich aufnehmend und von ihm durchdrungen, wird sie, gleichsam verjüngt und mit frischen Kräften ausgestattet, die Stufenjahre zu immer höherer Vollkommenheit viel rascher durchlaufen, als es ihr in der alten Welt selbst bei der ungestörtesten Entwickelung möglich gewesen wäre. Dieses Fortwandern in die neue Welt, dieses Aufgeben des heimathlichen Bodens von den rüstigsten, lebenskräftigsten Theilen des Volks hat schon seit einigen Jahren viel dazu beigetragen, den Zerstörungsprozeß der deutschen Gesellschaft zu befördern. Jetzt aber, wo nicht blos in Hunderttausenden der Drang zur Auswanderung nach Amerika lebendig ist, jetzt, wo er die Masse des Volks erfaßt und in Millionen deutscher Familien der Gedanke wach geworden ist: in der neuen Welt sich ein neues Haus zu bauen und sich zu retten vor den Gräueln der Verwirrung und Barbarei, die das Vaterland bedrohen, ist die Auswanderungsidee das allermächtigste Element der Zersetzung geworden; – sie löst von Innen heraus alle Bande des alten Organismus auf.

Deshalb – ich muß es immer und immer wieder sagen – ist es vergeblich und in der That thörigt, daß die Autorität sich abquäle, am Alten zu flicken und zu restauriren. Je eifriger sie sich dabei geberdet, je mehr beschleunigt sie die Auflösung. Alle Gewaltmaßregeln fügen der Agentien mehr zu denen, welche für die Zerstörung bereits in Thätigkeit sind. Die Zeit, wo sie die losgebundenen Volksgeister, in Eintracht mit den dynastischen Interessen, in die segenvolle Bahn höherer Gesittung und eines wahren Rechtsstaates hätte leiten können, ein Werk, zu dem sie ihre sittlichen Pflichten unaufhörlich mahnten und die Stimmen aller wahren Vaterlandsfreunde unermüdet, aber vergeblich, aufforderten, ist ein für allemal vorüber und sie mag nun beginnen, thun, zusagen, versprechen, was sie will, es hilft ihr nichts mehr, weil alles und jegliches Vertrauen in ihre Humanität, Gerechtigkeit, Treue und Redlichkeit auf’s tiefste erschüttert ist. Man gesteht ihr zu, die Gewalt zu üben, so lange sie sie hat; man fügt sich ihr, so lange man sie nicht besiegen kann; man thut’s mit Resignation; aber man thut’s ohne Entmuthigung; denn man weiß, die Sundsluth kommt und die Sündfluth ändert’s.