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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band | |
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Volk und stacheln es zur Selbsthülfe auf. Ist es aber nicht ein verwegenes, frevelndes und leichtsinniges Spiel jederzeit gewesen, ein Volk zur Revolution zu treiben und es anzuweisen auf den Umsturz, um sein Recht zu wahren? Können das Regierungen vernünftigerweise wollen? Macht man sich aber jenes Strebens nicht schuldig, wenn man mit brutaler Strenge und Haß in das von den Ideen der Zeit bis in’s Innerste aufgeregte Volksleben verletzend greift, wenn man dem Verlangen nach größerer Freiheit den Despotismus entgegensetzt, wenn man vor dem Gedanken nicht zurückschaudert, für den alten Staat, den abgelebten, das Herzblut von Millionen Bürgern zu vergießen, und – wenn er nicht anders zu retten wäre, – es darauf ankommen zu lassen, daß die Hälfte der lebenden Generation die andere Hälfte im Bruderkriege erwürgete? Deutsche Fürsten! Ihr zeigt auf die Pforte der Vergangenheit, als den Verschluß Euerer Rechte! Die deutsche Geschichte hat sie der Nation vorgehalten, das Volk hat sie gewogen, und es ist nicht seine Schuld, daß es gar manche zu leicht gefunden! Das Volk ist gerecht. Es ist mit seinen Dynastien aufgewachsen in vielen Stammen aus einer Wurzel – und wie sie zusammen ausgedauert haben in den Stürmen der Jahrhunderte, davon weiß Jeder zu sagen. Jeder weiß, wie viele deutsche Fürsten in vergangener Zeit Muster waren ihres Berufs und welche Last des Segens auf ihrem Andenken ruht. Aber es hat auch für die Schuld ein Gedächtniß und die Verbrechen an der Hoheit, Ehre und Macht des Reichs, an der gemeinen Freiheit und am Recht der Nation begangen, leben frisch in der Erinnerung. Im Volke geht eine Vorstellung um, – ein Zeichen, auf das wohl zu merken ist; denn es wirft ein Streiflicht auf manche Erscheinung. Es heißt: Die alten Dynastien sind unterthan dem Naturgesetz, wie alles Menschliche; sie sind folglich altersschwach geworden, der Geist ihrer großen Ahnen beginnt sie zu verlassen, ihre Stammbäume hören auf zu grünen und jene hohe Volksidee, welche in ihnen verkörpert war, fängt an zu verschwinden. Wenn die Fürsten, ablassend von der Hoffahrt, in christlicher Demuth diesem Volksglauben Rechnung getragen und ihren Blick gerichtet hätten, nicht stolz auf die glänzenden Thronhimmel, sondern bescheiden auf die Erde: – es sähe wohl anders aus in Deutschland und wir ständen nicht an dem Rande eines Abgrunds, der Schuldige und Unschuldige verschlingen wird. –
Doch die Sphinx sieht mich stumm an und lächelt, als wollte sie sagen: – „Gott naht ja, du kleiner Menschengeist, und die Wage ist schon erhoben.“ –
Ich sage es mit Trauer: Jedes Wort ist wohl „zu spät“ und vergebens, und ich schließe diese Betrachtung mit den Worten Luther’s:
- „Ich rede auch nicht, daß ich hoffe, die Fürsten werden’s annehmen. Doch bin ich gewiß, daß Gottes Wort sich nicht lenken noch biegen wird nach den Fürsten.“
Und weiter:
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, Amsterdam 1850, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_14._Band_1850.djvu/89&oldid=- (Version vom 29.6.2025)