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„Ich habe nichts gethan; das Wort hat Alles gethan und ausgericht. Ja, hätte ich wollen mit Ungemach fahren, ich wollte Deutschland in ein groß Blutvergießen bracht haben. Aber was wäre es? Ein Narrenspiel wäre es gewesen und ein Verderbniß an Leib und Seele. Ich habe das Wort lassen handeln. Das ist allmächtig, das nimmt gefangen die Herzen. Amen.“

Und wenn ich daran den Wunsch hänge, daß ein solches Wort aus solchem Munde doch noch eine Stätte finden möge im Vaterlande: – sind dann nicht Wunsch und Hoffnung feindliche Geschwister? – – –


Wittenberg, die Wiege der Reformation und die Grabstätte der Reformatoren, gehört zur Trias der preußischen Elbfestungen. Der Schmuck seiner großen Zeit, die Universität, ist, seit Preußen die Stadt mit dem halben Lande von Sachsen abriß, aufgehoben – und das an ihre Stelle errichtete Predigerseminar gibt dafür keinen Ersatz. Das geistige Leben ist hier verödet, und von den Zeiten, wo die Fackeln der Wissenschaft in Wittenberg glänzten und ihr Licht über Europa verbreiteten, wo die Hörsäle zu klein waren und die Stadt zu enge, die Durstigen zu fassen, die zum Born des Wissens und der Glaubensfreiheit hierher strömten aus allen Ländern, ist blos die Erinnerung übrig. Die bürgerlichen Gewerbe sind schwach; sie haben gegenwärtig in der starken Garnison ihren Stützpunkt. Der Antheil an dem Elbhandel ist auch von keiner Erheblichkeit, und erst in neuester Zeit sind durch den Eisenbahnverkehr frische, wenn auch nicht reiche Quellen des Verdienstes hergeleitet worden. Die Bevölkerung zählt nicht über 10,000.

In der Universitätskirche, an deren Pforte der Augustiner 1517 seine 95 Theses gegen den Tetzel’schen Ablaßkram schlug und damit dem allmächtigen Rom den Fehdehandschuh hinschleuderte zur Befreiung des Glaubens aus den ehernen Fesseln, die anderthalb Jahrtausende jedem Bestreben, sie zu zerreißen, gespottet hatten, – ruht die Asche Luther’s neben der Melanchthon’s und seiner Beschützer und Freunde, der Kurfürsten Friedrich des Weisen und Johann des Beständigen. –

Man hat vor einigen Jahren in Wittenberg dem Reformator ein Denkmal gesetzt von Stein und Erz. Das war verständig von den kleinen Menschen dieser Zeit, die, um das Große zu sehen, die Verkleinerungsbrille brauchen. – Liliputer! Den Luther denkmalen! Sie denkmalen wohl noch den Mohamed, den Confucius, Christus – den Herrgott selber! –