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| Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band | |
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deren Eisenstraße für die nächsten 10 Jahre die einzige bleiben wird, welche beide Oceane direkt verbindet. Klug haben beide große Nationen, die von der Vorsehung bestimmt scheinen, der Civilisation die Bahnen der Zukunft zu brechen und den Neubau der Gesellschaft auf festen Grundlagen anzuordnen und auszuführen – wegen der Benutzung aller dieser Uebergänge den Grundsatz vollkommener gegenseitiger Rechtsgleichheit anerkannt und so jeder Möglichkeit zu Konflikten von vornherein die Spitze abgebrochen. Der Stand der Dinge ist jetzt der Art zwischen den beiden Reichen England und Nordamerika, daß keines von beiden ein Uebergewicht über das andere erlangen kann, ohne sich zu schwächen, daß beide an der vollkommenen Erhaltung ihres guten Einverständnisses ein gleiches, unverkennbares Interesse haben und daß ihre Stellung gegenüber den andern Mächten so ist: – daß sie gleichsam durch die Solidarität ihrer Interessen und Grundsätze gezwungen sind, in allen großen Fragen der internationalen Politik wie Ein Mann zusammen zu stehen und zusammen zu halten. In dieser Stellung aber können sie, wegen ihrer geographischen Lage und ihrer Allgewalt zur See selbst unangreifbar, sobald sie nur wollen, der übrigen Welt Gesetze diktiren.
Schon der natürliche Einfluß dieser Stellung, auch wenn sie allen aggressiven Tendenzen fern bleibt, muß ein großer und, da er von den Prinzipien der Freiheit getragen und geleitet wird, zugleich ein wohlthätiger und die Interessen der Gesittung schützender seyn. Es werden jedoch die nächsten Wirkungen dabei nicht stehen bleiben. Europa, die fruchtbare Mutter aller großen moralischen Bewegungen der Neuzeit, wird jene Wirkungen voll empfinden, zunächst und zumeist die Länder, welche zu der begonnenen Völkerwanderung nach den Goldländern die stärksten Kontingente liefern: – also die Länder germanischen Stammes. Wenige Jahre einer beständig wachsenden Auswanderung werden in England, Deutschland, Belgien, der Schweiz, dem Elsaß die Arbeitermassen dermaßen vermindern, daß der Bedarf an Händen die Menge der vorhandenen übertrifft, und die Steigerung des Handlohns wird so bedeutend werden, daß die arbeitenden Klassen künftig zu Wohlstand gelangen können, was sie zu einem viel höheren Grade von Unabhängigkeit, Intelligenz und zu einem politischen Einflusse emporheben muß, – einem Einflusse, der, man mag ihm gutwillig oder gezwungen Anerkennung gewähren, sich jedenfalls geltend machen wird. Es würde der Gesellschaft große Gefahren bringen, diese Gewißheit zu mißachten. Ich bin überzeugt, daß die australischen und kalifornischen Goldfunde, welche in San Francisco, Melbourne und Port Philipp schon das Einkommen eines Hausknechts oder eines Zimmermannsgesellen auf die Höhe der Minister-Besoldungen unserer deutschen Miniaturmonarchien gebracht haben, die Hoffnungen der socialistischen Schwärmer für die Arbeiterklassen ganz von selbst verwirklichen werden, ohne daß es der Lehre jener hirnverbrannten Theoretiker: „Eigenthum ist Diebstahl“, und ihres Aufstachelns zu Raub und Plünderung bedürfe. Schon ist in England, seit dem Anfang der australischen Emigration, der Arbeitslohn auf eine
Joseph Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Fünfzehnter Band. Bibliographisches Institut, [Hildburghausen] [1852], Seite 113. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_15._Band_1852.djvu/121&oldid=- (Version vom 29.8.2025)